Innovationsmanagement

Anders als produzierende Unternehmen betreibt die METRO GROUP als Handelskonzern keine Forschung und Entwicklung im engeren Sinn. Deshalb sind hierzu keine nennenswerten Aufwendungen zu berichten.

Wir betreiben jedoch gezieltes Innovationsmanagement, um neue Konzepte und Technologien für unsere Vertriebslinien und Gesellschaften zu erschließen. Damit wollen wir zum einen den Mehrwert für die Kunden weiter erhöhen – etwa durch neue Geschäftsmodelle, attraktive Angebote und verbesserte Prozesse. Zum anderen unterstützen uns Innovationen dabei, unsere Ziele auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit zu erreichen. Auf diese Weise trägt das Innovationsmanagement zu einer langfristig positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung für die METRO GROUP bei.

Beispiele für innovative Angebote und Dienstleistungen unserer Vertriebslinien sind im Kapitel „Strategische Ausrichtung der METRO GROUP“ beschrieben.

Vernetzt denken

Kundennähe ist im Handel ein entscheidender Wettbewerbsvorteil: Nur wer die Bedürfnisse sowie die Einkaufs- und Lebensgewohnheiten seiner Kunden kennt, kann ihnen die passenden Angebote machen. Deshalb ist unser Innovationsmanagement zunächst darauf ausgerichtet, technologische und gesellschaftliche Trends – auch abseits unseres Kerngeschäfts – frühzeitig zu identifizieren, deren Bedeutung für den Handel zu bewerten und konkrete Lösungen für unser Unternehmen abzuleiten.

Wir nutzen dafür gezielt das Know-how und die Erfahrungen unserer eigenen Mitarbeiter, und zwar über alle Unternehmensbereiche hinweg. Außerdem setzen wir auf die enge Zusammenarbeit und strukturierte Vernetzung mit externen Unternehmen und Organisationen, um der zunehmend dynamischen Entwicklung von Produkten und Services gerecht zu werden.

Gemeinsam mit internen und externen Partnern arbeiten wir die konkreten Lösungen für unser Handelsgeschäft weiter aus und testen sie in der Praxis. Erfüllen die Innovationen unsere Erwartungen, führen wir sie sukzessive an unseren Standorten ein. Dieser Prozess erfolgt stets in Einklang mit den spezifischen Anforderungen unserer Vertriebslinien.

METRO GROUP Future Store Initiative

Ein Beispiel für vernetzte Kooperationen mit externen Partnern ist unsere METRO GROUP Future Store Initiative, die wir bereits 2002 gegründet haben. In diesem Zusammenschluss sind derzeit mehr als 75 Unternehmen beziehungsweise Organisationen aus der Wissenschaft, der Konsumgüterindustrie, dem Dienstleistungssektor sowie aus der Branche für Informations- und Kommunikationstechnologie vertreten. Gemeinsam testen wir innovative Lösungen für die Herausforderungen in unserem operativen Geschäft. Im Mittelpunkt der Partnerschaft, die wir im Berichtsjahr fortgeführt haben, steht der Mehrwert für den Kunden.

Eine zentrale Testplattform der Initiative ist unser Future Store in Tönisvorst, Nordrhein-Westfalen. Dabei handelt es sich um ein Real SB-Warenhaus, in dem die Vertriebslinie bereits seit 2008 gemeinsam mit den Partnern der Initiative neue Konzepte und Technologien in der Praxis erprobt. Innovationen, die sich im Future Store bewähren, führt Real schrittweise ein. Aber auch über den Future Store hinaus testen die Partner der Initiative neue Technologien und Konzepte im Praxiseinsatz. Dazu zählen

  • ein digitales Leitsystem für Warenregale,
  • eine EDV-Plattform für Kundencoupons,
  • ein Kassensystem für Restaurantkunden sowie
  • der Einsatz der Radiofrequenz-Identifikation (RFID) auf Artikelebene.

Digitales Leit- und Marketingsystem

Um Produkteinführungen zu unterstützen und den Kunden mehr Orientierung im Verkaufsraum zu geben, haben die Partner der METRO GROUP Future Store Initiative das sogenannte Shelf-Vision-Konzept entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Kombination aus digitalen Multimedia-Etiketten und Flachbildschirmen, die sich am Kühlregal anbringen lassen. Auf den Etiketten können außer statischen Produktinformationen und QR-Codes auch kurze Videofilme angezeigt werden, um die Aufmerksamkeit der Kunden auf bestimmte Produkte zu lenken. Die Bildschirme dienen dazu, die Produktgruppen thematisch und optisch zu gliedern. Real testet das Shelf-Vision-Konzept seit Dezember 2012 im Future Store.

Elektronische Couponlösung

Im Rahmen der Future Store Initiative hat Real außerdem eine sogenannte Validierungsplattform für Kundencoupons eingeführt. Im Kern handelt es sich dabei um ein EDV-System, auf das alle Kassen in den SB-Warenhäusern zugreifen können, um die Gültigkeit von Gutscheinen zu bestätigen. Diese Anwendung macht es möglich, digitale Coupons anzubieten: Über ihr Smartphone können Kunden bei Real den gewünschten Gutschein auswählen und unmittelbar im Anschluss an der Kasse einlösen. Sie müssen keine Papiercoupons mit sich führen, um Einkaufsvorteile zu erzielen.

Im Zuge der Einführung der Validierungsplattform erfolgte außerdem eine Standardisierung des digitalen Couponmanagements, die in den Gremien der zuständigen internationalen Organisation GS1 vorangetrieben wurde. Die Vertriebslinien der METRO GROUP müssen dadurch nicht länger auf patentrechtlich geschützte Systeme externer Unternehmen zurückgreifen.

Ein weiteres neuartiges Couponsystem setzt Real bei Automaten für die Leergutrückgabe ein. Der Vorteil: Kunden erhalten die Gutscheine unmittelbar vor ihrem Einkauf zusammen mit dem Pfandbon und lassen sich so noch gezielter ansprechen.

Technische Unterstützung von Gewerbetreibenden

Ein speziell auf die Bedürfnisse gewerblicher Kunden von METRO Cash & Carry zugeschnittenes, modular einsetzbares Softwarepaket hat unser interner IT-Dienstleister METRO SYSTEMS gemeinsam mit externen Partnern entwickelt. Bestandteile dieser sogenannten Business Suite sind ein iPad-Kassensystem sowie eine Anwendung für die Kundenbindung.

Die Kassenanwendung, die den Namen METRO POS trägt, richtet sich insbesondere an eine junge Generation von Gastronomen, die neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen sind. Die Restaurantangestellten nehmen die Bestellungen der Gäste mit einem iPad auf, das die Informationen per Funk an das Kassensystem übermittelt. Für jede Bestellung wird automatisch ein Bon ausgedruckt, den das Küchenpersonal weiterbearbeiten kann. Die Lösung hilft, Bestell- und Bezahlvorgänge zu vereinfachen und Wartezeiten erheblich zu reduzieren. Zu Stoßzeiten kann der Arbeitsaufwand in der Küche um bis zu 80 Prozent verringert werden. METRO POS ist im Berichtsjahr um neue Funktionen erweitert worden und in 3 Varianten verfügbar. Die Anwendung befindet sich bereits in mehreren Betrieben im Einsatz. Die offizielle Produkteinführung erfolgte im September 2012 auf der Fachmesse HOGATEC in Essen.

Mit dem zweiten Modul der Business Suite können die gewerblichen Kunden von METRO Cash & Carry ein eigenes Kundenbindungsprogramm auflegen. Restaurant- und Kaffeebarbesitzer können ihren Kunden mit der Software eigene Coupons oder Rabattgutscheine ausstellen, die sich auf Smartphones abrufen lassen. Dieses Modul wurde 2012 in Zusammenarbeit mit einem Düsseldorfer Restaurant erfolgreich im Pilotbetrieb eingeführt.

Radiofrequenz-Identifikation auf Produkten

Unser Unternehmen zählt im Handel zu den Vorreitern beim Einsatz der Radiofrequenz-Identifikation (RFID). Dabei handelt es sich um eine Technologie, mit der sich Warenbewegungen in der Prozesskette automatisch per Funk erfassen und in IT-Systeme übertragen lassen. Bislang haben wir RFID überwiegend auf Ladungsträgern verwendet, beispielsweise auf Paletten. Im Berichtsjahr haben wir den Einsatz der Technologie auch auf Produktebene getestet. Bei MAKRO Cash & Carry Niederlande wurden einzelne Artikel aus ausgewählten Teilsortimenten mit sogenannten Transpondern versehen, winzigen Computerchips mit Antenne. Diese ließen sich mithilfe von Lesegeräten berührungslos und ohne Sichtverbindung erfassen. Die Technologie diente bei diesem Test dazu, die Waren zu sichern und das Bestandsmanagement zu optimieren. Im Test wurden die technische Einsetzbarkeit und die wirtschaftlichen Vorteile in einem produktiven Umfeld nachgewiesen. Auf Basis dieser Ergebnisse werden wir 2013 prüfen, inwiefern eine landesweite Einführung umgesetzt werden kann. Ein vergleichbarer Test wurde 2012 auch bei Media-Saturn in Russland mit CDs und DVDs initiiert. Die erforderlichen technischen Installationen in einem Logistikzentrum und einem Elektrofachmarkt haben wir 2012 vorgenommen. Erste Ergebnisse aus diesem Test erwarten wir für Mitte 2013.