Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Damen und Herren, (Handschrift)
Olaf Koch – Vorstandsvorsitzender der METRO AG (Foto)

vor rund einem Jahr habe ich Ihnen an dieser Stelle angekündigt, dass 2012 für Ihr Unternehmen ein herausforderndes Geschäftsjahr werden würde. Schon damals zeichnete sich ab, dass die europäische Staatsschuldenkrise in vielen Ländern zunehmend negative Auswirkungen auf den Konsum haben würde. In unseren Prognosen sind wir deshalb von einer weiteren Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung ausgegangen.

Allerdings hat sich das Konjunkturklima ab der zweiten Jahreshälfte noch einmal deutlich stärker eingetrübt, als von uns – und von vielen Wirtschaftsforschungsinstituten – zunächst erwartet. In der Folge erreichte die Arbeitslosigkeit in weiten Teilen Europas neue Höchststände. Hinzu kam, dass einzelne Regierungen ihre Sparanstrengungen zusätzlich verstärkten und unter anderem Mehrwertsteuersätze erhöhten, um ihre hohe Schuldenlast zu begrenzen. Die Rahmenbedingungen verschlechterten sich vor allem für unsere Kunden in Süd- und Osteuropa. Verfügbare Einkommen und Kaufkraft gingen europaweit mit wenigen Ausnahmen spürbar zurück.

Ungeachtet verschiedener negativer Ereignisse und Entwicklungen haben wir 2012 viele wichtige und zukunftsweisende Entscheidungen getroffen. In allen Vertriebslinien haben wir unsere Strategien überarbeitet und den Kundenmehrwert in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns gestellt. Das hat zu einer klaren Priorisierung der notwendigen Anpassungen unserer Sortimente, Dienstleistungen und Formate geführt. Nur dadurch ist es uns gelungen, den Umsatz über das Gesamtjahr zu steigern und in vielen Ländern Marktanteile zu gewinnen. Diese Neuausrichtung ist mit Kosten verbunden, die wir bewusst in Kauf nehmen. Denn wir sind vom langfristigen Mehrwert für das Unternehmen überzeugt. Gleichzeitig haben wir unser Engagement für schlanke Strukturen und niedrige Kosten verstärkt, um die Ertragskraft abzusichern.

Und wir haben fokussiert, denn wir sind uns sicher, dass wir nur so die notwendige Effektivität bei der Transformation herstellen. Innerhalb der Vertriebslinien haben wir uns zum Beispiel auf die wichtigsten Projekte und Regionen konzentriert; und wir haben das Portfolio optimiert. Unser verlustträchtiges Großhandelsgeschäft im Vereinigten Königreich haben wir veräußert, wir haben einen Käufer für Real Osteuropa gefunden und entschieden, das Engagement von Media Markt in China nicht fortzuführen. Dies waren schwierige Entscheidungen, aber sie werden uns helfen, die Ertragskraft zu steigern und die Rentabilität unserer Investitionen zu erhöhen.

Ferner haben wir uns sehr intensiv mit der Weiterentwicklung unserer Führungskultur beschäftigt. Auch wenn sich dieser Prozess über mehrere Jahre erstrecken wird, konnten wir 2012 bereits signifikante Fortschritte erzielen.

Sie sehen: Die METRO GROUP und ihre Vertriebslinien befinden sich in einem tief greifenden Umbruch. Der Wandel ist langwierig und mithin intensiv, aber er ist zwingend erforderlich. Denn der Bedarf unserer Kunden ändert sich ebenso stetig wie die Rahmenbedingungen, unter denen wir unsere Geschäfte betreiben. Für uns bedeuten diese Veränderungen keine Bedrohung, sondern vielmehr eine enorme Chance, unsere Angebote für unsere Kunden stetig attraktiver und reizvoller zu machen. Nichts motiviert uns mehr als eine positive Kundenresonanz, steigende Zufriedenheit und damit verbundenes Umsatzwachstum zu erzeugen. Vor diesem Hintergrund haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr weitere strategische und operative Maßnahmen umgesetzt. Ich will Ihnen ein paar Beispiele nennen.

Bei METRO Cash & Carry, unserer umsatzstärksten Vertriebslinie, sind wir bestrebt, unsere Geschäftskunden erfolgreicher zu machen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir uns Land für Land sehr intensiv mit den lokalen Erwartungen und Anforderungen der einzelnen Kundengruppen auseinandergesetzt. Um Gewerbetreibende für unser Geschäft zu begeistern, haben wir gezielt an der Optimierung der Sortimente und Preise sowie an einer effizienteren Logistik gearbeitet. Wir haben uns außerdem darum gekümmert, unsere Lösungskompetenz auszubauen. Dazu gehören in erster Linie das außerordentlich erfolgreiche Belieferungsgeschäft, aber auch die Unterstützungs- und Beratungsprogramme für kleine Einzelhändler sowie die Stärkung unserer Außendienstorganisation. Besondere Aufmerksamkeit erhalten unsere 8 Schlüsselländer, die wir 2012 definiert haben. Sie sind entscheidend für den Gesamterfolg. Um Ressourcen möglichst effektiv einzusetzen, haben wir zudem eine strikte Priorisierung der strategischen Initiativen vorgenommen. Wir haben 2012 also wichtige Schritte vollzogen, um die führende Position von METRO Cash & Carry im Großhandel zu festigen und auszubauen.

Unsere Vertriebslinie Real richtet ihre SB-Warenhäuser in Deutschland stärker regional aus und investiert weiter in Vielfalt und Qualität. Klar ist, dass wir mit der jüngeren Entwicklung nicht zufrieden sein können. Die Ertragskraft ist deutlich hinter unseren eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Aus diesem Grund haben wir die Transformation intensiviert. Es gibt bereits viele Erfolg versprechende Konzepte und Ansätze, die einzelne SB-Warenhäuser umgesetzt haben. Diese wollen wir nun skalieren und die Neuausrichtung mit aller Konsequenz fortsetzen. Dazu gehört auch, dass wir einzelnen Marktleitern mehr Handlungsspielraum geben, vor Ort erzeugte Produkte und Spezialitäten in ihre Sortimente aufzunehmen. Mittelfristig wollen wir so eine stabile und ausgewogene Ertragskraft erreichen.

Die Vertriebslinie Media-Saturn hat die Neuausrichtung beschleunigt und die Wettbewerbsfähigkeit deutlich gesteigert. Sie hat die Preisposition klar verbessert, das Sortiment weiter optimiert und die Marketingeffektivität deutlich gesteigert. All das spiegelte sich vor allem auch in einer sehr positiven Marktanteilsentwicklung wider. Ferner hat Media-Saturn 2012 den Mehrkanalvertrieb ausgebaut. Die Verzahnung des Online-Geschäfts mit den Märkten von Media Markt und Saturn bietet einen echten Vorteil gegenüber reinen Versandhändlern. Bis zu 50 Prozent der Online-Kunden machen von der Möglichkeit Gebrauch, ihre im Internet bestellte Ware vor Ort abzuholen. Zum Jahresende war diese Form des Mehrkanalangebots bereits in 9 Ländern verfügbar. Media-Saturn hat die führende Position im Elektronikhandel in Europa klar behauptet und verfügt eindeutig über das Potenzial, sich weiter von der Konkurrenz abzusetzen. Dazu werden sowohl die starke Wettbewerbsfähigkeit des stationären Handels als auch das rasante Wachstum im Online-Geschäft beitragen.

Die Entwicklung bei Galeria Kaufhof zeigt, dass ein gutes Warenhauskonzept Zukunft hat. Die Vertriebslinie hat ihre Angebote noch besser auf ihre Zielgruppen ausgerichtet und unter anderem die Sortimente und die Flächenzuteilung verbessert. Ferner haben wir im abgelaufenen Jahr weiter in unserer Standorte investiert und die Attraktivität erhöht. Und wir haben 2012 unseren Internet-Shop mit Blick auf das Sortiment und die Funktionen ausgebaut. Er ermöglicht es unseren Kunden jederzeit, auch von zu Hause aus auf die umfangreichen Sortimente zuzugreifen. Das Resultat all dieser Maßnahmen war eine Steigerung unseres Marktanteils im Textilsektor.

Mit ihrem Know-how unterstützt METRO PROPERTIES die Expansion unserer Vertriebslinien weltweit – von der Standortplanung bis hin zum Bau. Die Bündelung von Kompetenzen in einer Hand hilft uns zukünftig dabei, die Energieeffizienz unserer Standorte zu erhöhen. Das senkt Kosten und schont die Umwelt.

Denn dass wir ökologische und soziale Belange stets in Einklang mit unserer Geschäftstätigkeit bringen, ist Teil unseres Selbstverständnisses. „METRO GROUP. Wir bieten Lebensqualität.“ lautet folgerichtig der Leitsatz unserer Vision für Nachhaltigkeit, die wir 2012 definiert haben. Ein Beispiel, wie wir diese Vision in die Praxis überführen, ist unser Klimaziel, das wir uns 2012 neu gesetzt haben: Bis 2020 wollen wir die spezifischen Treibhausgasemissionen um 20 Prozent je Quadratmeter Verkaufsfläche gegenüber 2011 senken. Mehr dazu können Sie auch in unserem Nachhaltigkeitsbericht lesen, der dem Geschäftsbericht erstmals beiliegt.

Kaffee im Hotel l’Arrivée (Foto)

Zusammengefasst: Wir setzen alles daran, die METRO GROUP wieder auf einen nachhaltigen Wachstumskurs bei Umsatz und Ergebnis zu bringen. Auch deshalb können wir mit unserer Ergebnisentwicklung 2012 nicht zufrieden sein. Mit einem EBIT vor Sonderfaktoren von 2,0 Mrd. € sind wir unter dem angestrebten Vorjahresniveau geblieben. Dies wurde im Wesentlichen durch die eingangs beschriebene Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im zweiten Halbjahr verursacht, die wir nur zum Teil kompensieren konnten. Ferner haben Sonderfaktoren, die durch die Restrukturierung und Neuausrichtung der METRO AG verursacht wurden, das Periodenergebnis deutlich belastet.

Erfreulich war hingegen unsere Umsatzentwicklung, die vor allem im vierten Quartal zu Marktanteilsgewinnen geführt hat. In Summe konnten wir den Umsatz um 1,2 Prozent steigern. Bereinigt um die Veräußerung unseres Großhandelsgeschäfts im Vereinigten Königreich im Jahr 2012 und die Abgabe von Saturn in Frankreich lag das Wachstum sogar bei 2,3 Prozent. Signifikant besser als das Ergebnis hat sich im abgelaufenen Jahr zudem unser Cashflow entwickelt, unter anderem durch ein optimiertes Investitionsverhalten. Durch gezielte Investitionen und Desinvestitionen sowie durch ein verbessertes Management des Netto-Betriebsvermögens ist es uns zudem gelungen, die bilanzielle Nettoverschuldung signifikant zu verringern. Diesen positiven Trend wollen wir fortsetzen und somit die Voraussetzungen für ein besseres Rating schaffen. Dazu wird auch die für dieses Jahr angestrebte endgültige Veräußerung des Osteuropageschäfts (ohne Türkei) von Real beitragen. In Summe werden wir somit die Bilanz der METRO AG deutlich stärken.

Ein herzlicher Dank geht im Namen des Gesamtvorstands an unsere 282.984 Mitarbeiter, die mit ihrem Engagement dazu beigetragen haben, die Wettbewerbsfähigkeit der METRO GROUP zu stärken und Marktanteile zu gewinnen. In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld haben sie durch ihren Einsatz einen enormen Beitrag für das Unternehmen geleistet.

Danken möchte ich auch Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, für das in uns gesetzte Vertrauen. Zwar hat die Kursentwicklung der METRO-Aktie 2012 die bereits erzielten Fortschritte nicht berücksichtigt. Dennoch wollen wir wie in den Vorjahren daran festhalten, eine Dividende auszuschütten, die sich an der operativen Ergebnisentwicklung vor Sonderfaktoren orientiert. Wir schlagen der Hauptversammlung deshalb am 8. Mai 2013 die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von 1,00 € je Stammaktie vor.

Was erwarten wir für 2013? Zunächst einmal: Aufgrund der im Mai 2012 von der Hauptversammlung beschlossenen Umstellung umfasst unser Geschäftsjahr 2013 lediglich den Zeitraum von Januar bis einschließlich September. Das für den Handel wichtige, umsatzstarke Weihnachtsgeschäft ist somit nicht enthalten, sondern wird künftig das erste Quartal unseres Geschäftsjahres bilden. Das Jahr 2013 wird dennoch ein wichtiges Geschäftsjahr für uns werden. Ich bin überzeugt, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen und ihre Wirkung entfalten, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld weiterhin außerordentlich schwierig bleiben wird.

Der Mehrwert für den Kunden wird trotz aller Widrigkeiten immer stärker im Mittelpunkt unseres Handelns stehen. Wir arbeiten weiterhin mit Hochdruck daran, Ihr Unternehmen wieder auf den Wachstumspfad zurückzuführen. All das wird sich letztendlich in höheren Erträgen auszahlen – für die METRO GROUP und für Sie.

Ihr

Olaf Koch – Vorstandsvorsitzender der METRO AG (Handschrift)

Olaf Koch
Vorstandsvorsitzender der METRO AG

Düsseldorf, 20. März 2013