Brief an die Aktionäre

Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" (Handschrift)

Das Geschäftsjahr 2013/14 war für die METRO GROUP insbesondere aufgrund der geopolitischen Ereignisse herausfordernd. Dennoch blicken wir im vorliegenden Bericht auf ein insgesamt erfreuliches Jahr zurück – und das nicht nur wegen des 50. Geburtstags von METRO Cash & Carry. Wir haben unseren Transformationsprozess erfolgreich fortgesetzt und unsere neue Unternehmenskultur weiter mit Leben gefüllt. In diesem Prozess haben sich unsere rund 250.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vielen Herausforderungen stellen müssen. Für ihren Einsatz und ihr großes Engagement danke ich auch im Namen des gesamten Vorstands herzlich.

Olaf Koch (Foto)

Nach dem Rumpfgeschäftsjahr 2013 umfasst dieser Bericht nun wieder einen Zeitraum von zwölf Monaten – erstmals von Oktober bis September. Damit beginnt unser Geschäftsjahr immer mit dem wichtigen Weihnachtsquartal. Schon jetzt können wir sagen, dass sich die Umstellung gelohnt hat: Das Weihnachtsgeschäft wurde von den Arbeiten zum Jahresabschluss entlastet und wir haben nach dem ersten Quartal mehr Planungssicherheit als zuvor.

Im Mittelpunkt unseres Handelns steht immer das Ziel, Mehrwert für den Kunden zu schaffen. Aus diesem Grund arbeiten wir permanent daran, unsere Sortimente und Dienstleistungen in allen Vertriebsformaten zu verbessern und noch attraktiver zu gestalten – mit Erfolg. Im Geschäftsjahr 2013/14 haben wir den Anteil der Eigenmarken am Gesamtumsatz auf 11,5 Prozent gesteigert, den Belieferungsumsatz um 9,5 Prozent auf 2,8 Mrd. € erhöht und den Online-Umsatz um rund 30 Prozent auf 1,5 Mrd. € verbessert. Letzteres zeigt, wie wichtig und erfolgreich der Ausbau unserer Mehrkanalpräsenz ist.

Eine große Herausforderung waren im Berichtsjahr hingegen die unerwarteten politischen Entwicklungen in der Ukraine und Russland. Aufgrund der unsicheren Lage und kämpferischen Auseinandersetzungen im Osten der Ukraine entwickelte sich das Geschäft dort deutlich negativ. Hier hat jedoch die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stets oberste Priorität. Unsere Geschäftstätigkeit in Russland hat sich trotz der im Sommer verhängten Importverbote stabil entwickelt. Die von uns angestrebte Kapitalmarkttransaktion haben wir allerdings aufgrund der politischen Entwicklung ausgesetzt.

Fortschritte haben wir bei der Fokussierung des Portfolios der METRO GROUP gemacht. Wir haben den Verkaufsprozess von Real Osteuropa erfolgreich beendet. Dies hat unsere bilanzielle Nettoverschuldung deutlich reduziert. Zudem haben wir unser Real-Geschäft in der Türkei veräußert und unsere beiden Standorte von MAKRO Cash & Carry in Ägypten aufgrund fehlender Perspektiven geschlossen. Im August haben wir den Verkauf von METRO Cash & Carry Vietnam vereinbart. Ausschlaggebend hierfür waren unter anderem ein sehr attraktives Angebot sowie die gute Zukunftsperspektive unter dem neuen Eigentümer. Die Genehmigung der zuständigen Behörden steht noch aus. Im Geschäftsjahr 2014/15 erwarten wir bei erfolgreichem Abschluss der Transaktion einen positiven EBIT-Sondereffekt in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrags. Zudem haben wir die attraktiven Preise auf dem Immobilienmarkt genutzt, um uns in einer Sale-and-Leaseback-Transaktion von einem Teil unserer Unternehmenszentrale in Düsseldorf zu trennen.

Zu Beginn des Geschäftsjahres 2014/15 haben wir eine weitere Portfoliomaßnahme vereinbart: den Teilverkauf von METRO Cash & Carry Dänemark und die Schließung der übrigen drei Märkte dort.

Den geplanten Teilbörsengang unseres erfolgreichen METRO Cash & Carry Geschäfts in Russland konnten wir aufgrund der bereits erwähnten politischen Situation zwischen Russland und der Ukraine hingegen noch nicht durchführen. Mit dem Erlös aus dieser Transaktion könnten wir in Wachstumsländern wie Russland, der Türkei, China und Indien stärker expandieren und unsere Nettoverschuldung weiter reduzieren. Wann wir unsere Aktivitäten bezüglich des Teilbörsengangs wieder aufnehmen können, lässt sich heute nicht verlässlich abschätzen. Wir sind aber bestens vorbereitet.

Wie sehen nun die Zahlen im Geschäftsjahr 2013/14 aus? Insgesamt konnten wir im Berichtszeitraum eine positive Entwicklung verzeichnen und haben unsere wichtigsten Finanzziele erreicht. Trotz negativer Wechselkurseffekte in Höhe von 2,3 Prozent haben wir einen Umsatz von 63,0 Mrd. € erzielt und sind dabei flächenbereinigt leicht um 0,1 Prozent gewachsen. Vor Sonderfaktoren haben wir ein EBIT von 1.727 Mio. € erreicht, obwohl dies deutlich durch negative Wechselkurseffekte in Höhe von 82 Mio. € belastet war. Die Nettoverschuldung konnten wir weiter deutlich um 0,7 Mrd. € auf 4,7 Mrd. € reduzieren. Seit 2012 haben wir damit die Nettoverschuldung um insgesamt 3,1 Mrd. € senken können.

METRO Cash & Carry ist die Keimzelle der METRO GROUP und unser wichtigstes Standbein. 2014 haben wir in allen 28 Ländern den 50. Geburtstag unserer Vertriebslinie gefeiert – mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen für Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten. Darüber hinaus sehen wir jetzt erste Ergebnisse der Maßnahmen, die wir in den vergangenen Jahren eingeleitet haben: Am Ende des Geschäftsjahres 2013/14 verzeichneten wir im fünften Quartal in Folge ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum. Basis für diese positive Entwicklung sind die Fokussierung auf unsere Hauptkundengruppen und das auf ihre Wünsche abgestimmte Sortiment. Das zeigt uns, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, unserem Anspruch gerecht zu werden, der beste Partner für unabhängige Unternehmer zu sein. Unsere klare Fokussierung auf unsere Kunden und die enge Beziehung zu ihnen ist in unserer neuen Markenpositionierung manifestiert. Sie wird in der globalen Kommunikationskampagne YOU & METRO erlebbar gemacht, die wir im Geschäftsjahr 2013/14 gestartet haben.

Ein zentrales strategisches Thema bei METRO Cash & Carry ist unser Lieferservice. Hier arbeiten wir an der weiteren Verbesserung unseres Angebots und unserer Infrastruktur. Unser Ziel ist es, uns sukzessive von der Belieferung aus dem Großmarkt zu lösen und ein professionelles Food-Distribution-Konzept umzusetzen. Beispielsweise mit Zustelldepots, in denen Produkte lagern, die speziell auf die Horeca-Kunden vor Ort zugeschnitten sind. Den Anfang haben wir im Berichtszeitraum mit ersten Depots in China und Deutschland bereits gemacht. Auch das Warensortiment in den METRO Cash & Carry Großmärkten entwickeln wir kontinuierlich weiter.

Bei Media-Saturn haben wir mit dem Online-Handel einen großen Sprung nach vorn gemacht. Im ersten Quartal 2014/15 bieten wir mittlerweile bei Media Markt mehr als 80.000 und bei Saturn rund 64.000 Produkte im Internet an und sind damit gut für das Weihnachtsgeschäft 2014 gerüstet. Allerdings ist der Wettbewerbsdruck in diesem Segment weiterhin hoch. Umso wichtiger ist es für uns, die Vernetzung aller Vertriebskanäle weiter auszubauen. Denn das erweist sich als großer Wettbewerbsvorteil: Mehr als 40 Prozent unserer Kunden holen bereits heute die über das Internet bestellten Waren in Elektrofachmärkten von Media Markt oder Saturn in ihrer Nähe ab. Dies nehmen auch unsere Lieferanten wahr, für die eine enge Zusammenarbeit mit dem Marktführer in Kontinentaleuropa attraktiv ist. Ferner haben wir weiter daran gearbeitet, die Attraktivität unserer Stores weiter zu erhöhen, sei es durch attraktive Innovationen, neueste Technologien oder ein erweitertes Dienstleistungsangebot. Die Kunden nehmen dies immer stärker wahr, was sich in der deutlich positiven Trendentwicklung beim flächenbereinigten Umsatz bemerkbar macht.

Bei Real konzentrieren wir uns nach der Veräußerung unserer Aktivitäten in Osteuropa und der Türkei nun ganz auf den deutschen Markt. Aufgrund des starken Wettbewerbs sind vor allem die richtigen Konzepte ausschlaggebend, um erfolgreich zu sein. Hier haben wir im Berichtsjahr weitere Fortschritte gemacht: Mittlerweile haben wir zum einen 50 Standorte nach dem Vorbild unseres neuen Real-Markts in Essen umgebaut, der das SB-Warenhaus der Zukunft mit einem neuen Einkaufserlebnis repräsentiert. Aufgrund der überaus guten Entwicklung der modernisierten SB-Warenhäuser planen wir, auch im kommenden Jahr mindestens weitere 60 Standorte umzubauen. Zum anderen setzen wir sukzessive neue Konzepte in verschiedenen Abteilungen um, die sich positiv auf die Kundenzahlen, den Durchschnittsbon und damit den Umsatz auswirken. Darüber hinaus konnten wir mit der Einführung der neuen Eigenmarke „Marke ohne Namen“ viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Inzwischen gibt es mehr als 100 Produkte, die unterhalb des Preisniveaus der Discounter liegen. Mit diesen und weiteren Maßnahmen wird Real die strategische Neuausrichtung auch künftig vorantreiben, um die Profitabilität weiter zu steigern.

Eine Erfolgsgeschichte ist unsere Vertriebslinie Galeria Kaufhof, die 2014 ihr 135-jähriges Bestehen feierte. Gegen den Trend wachsen wir in diesem Segment kontinuierlich. Dies verdanken wir der konsequenten Ausrichtung auf unsere Kunden, die in unseren Warenhäusern ein attraktives Sortiment vorfinden – und ein unvergleichliches Einkaufserlebnis. Um dem enormen Wettbewerbsdruck zu begegnen und weiterhin erfolgreich am Markt zu agieren, sind wir gefordert, das Warenhaus immer wieder neu zu erfinden und an aktuelle Entwicklungen anzupassen. Deshalb schärft unsere Vertriebslinie ihr Profil als Mehrkanalhändler und setzt auf eine enge Verzahnung von stationärem Geschäft und Online-Handel. Außerdem stehen den Mitarbeitern in unseren deutschen Warenhäusern nun Tablet-Computer zur Verfügung. Auf diese Weise können sie ihren Kunden die Möglichkeit eröffnen, direkt vor Ort Waren aus dem Online-Sortiment zu bestellen und nach Hause schicken zu lassen.

Die insgesamt erfreuliche Entwicklung der METRO GROUP hat sich in diesem Geschäftsjahr leider nicht im Aktienkurs widergespiegelt. Nachdem sich die METRO-Aktie im Geschäftsjahr 2013 sehr positiv entwickelt hat, setzte sich dieser Trend zunächst auch im Geschäftsjahr 2013/14 fort. Insbesondere der geplante Teilbörsengang von METRO Cash & Carry Russland wurde vom Kapitalmarkt überaus positiv aufgenommen. Als sich die politische Situation verschärfte, führte dies auch zu Belastungen unseres Aktienkurses – genau so wie bei anderen Unternehmen, die ein starkes Russlandgeschäft haben. Der Kurs der Stammaktie ging vom 1. Oktober 2013 bis zum 30. September 2014 um 11 Prozent auf 26,08 € zurück.

Nachdem die METRO AG für das Rumpfgeschäftsjahr 2013 aufgrund des fehlenden Weihnachtsgeschäfts keine Dividende ausgeschüttet hat, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat Ihnen, sehr geehrte Aktionäre, eine Dividende in Höhe von 0,90 € je Stammaktie vor. Dieser Vorschlag entspricht unserer Dividendenpolitik, die eine Ausschüttung in Höhe von 40 bis 50 Prozent des Ergebnisses je Aktie vor Sonderfaktoren vorsieht. Tatsächlich errechnet sich mit dem Vorschlag eine Ausschüttungsquote von 48,9 Prozent. Hierüber können Sie am 20. Februar 2015 auf der Hauptversammlung in Düsseldorf abstimmen, zu der ich Sie herzlich einlade.

Wie geht es nun im neuen Geschäftsjahr weiter? Wir werden auch 2014/15 unseren Transformationsprozess fortsetzen, um an unsere bereits erzielten Erfolge anzuknüpfen. Der Start in das Geschäftsjahr 2014/15 war vom 50. Geburtstag von METRO Cash & Carry am 27. Oktober geprägt. Das Jubiläum war für uns ein Anlass, um gemeinsam mit unseren Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern zu feiern. Mit unseren Veranstaltungen und Aktionen in diesem Jahr haben wir darüber hinaus neue Impulse für die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden gesetzt – ganz im Sinne unserer Markenbotschaft YOU & METRO. Wir gehen davon aus, dass diese Impulse und die Begeisterung, die in vielen Momenten bei unseren Mitarbeitern und Kunden zu spüren waren, im kommenden Geschäftsjahr lebendig bleiben und uns zu Bestleistungen antreiben.

Aber auch in den anderen Vertriebslinien erwarten wir weitere Fortschritte. Bei Media-Saturn haben wir bewiesen, dass die Mehrkanalstrategie der Weg in die Zukunft ist. Dadurch wollen wir unseren Marktanteil deutlich ausbauen. Bei Real konzentrieren wir uns jetzt nach Abgabe des Geschäfts in Osteuropa mit aller Kraft auf Deutschland. Und bei Galeria Kaufhof steht die konsequente Verzahnung von Filial- und Online-Geschäft im Vordergrund.

Konkret: Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2014/15, trotz eines nach wie vor herausfordernden wirtschaftlichen und politischen Umfelds in vielen unserer Länder, ein leichtes flächenbereinigtes Umsatzwachstum und beim EBIT vor Sonderfaktoren und Wechselkurseffekten ebenfalls einen leichten Anstieg. Darüber hinaus wollen wir unsere Nettoverschuldung weiter zurückführen – nicht zuletzt durch den Verkauf unserer METRO Cash & Carry Aktivitäten in Vietnam. So können wir die Bilanz nachhaltig stärken und unser Rating verbessern. Alles in allem ist die METRO GROUP für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Meine Vorstandskollegen und ich freuen uns darauf, zusammen mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter an der Wertsteigerung Ihres Unternehmens zu arbeiten.

Es grüßt Sie herzlich Ihr

Unterschrift Olaf Koch (Handschrift)

Olaf Koch
Vorstandsvorsitzender der METRO AG

Düsseldorf, 16. Dezember 2014