Brief an die Aktionäre

 Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" (Handschrift)

das Geschäftsjahr 2013, auf das wir im vorliegenden Bericht zurückschauen, war für Ihr Unternehmen aus zweierlei Gründen ein besonderes: Erstens umfasste es lediglich die Monate von Januar bis einschließlich September und war somit ein sogenanntes Rumpfgeschäftsjahr. Zweitens war es auch ein Jahr der weiteren erfolgreichen Transformation für die METRO GROUP und ihre Vertriebslinien. Damit verbunden waren vielfältige Herausforderungen für unser Unternehmen und es macht mich sehr stolz, dass unsere Belegschaft diese mit Engagement angenommen und mit Bravour bewältigt hat. Dafür möchte ich unseren rund 270.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Namen des Gesamtvorstands herzlich danken.

In der Weiterentwicklung der METRO GROUP haben wir im Geschäftsjahr 2013 erneut große Fortschritte gemacht. So konnten alle unsere Vertriebslinien ihre Attraktivität für die Kunden erhöhen – unter anderem durch fokussierte Sortimente sowie die gezielte Ausweitung und Vertiefung der Absatzkanäle und Formate. Dazu zählte insbesondere auch die deutliche Weiterentwicklung der Mehrkanalaktivitäten, also der kundenorientierten Verknüpfung von stationärem und Online-Handel. Alle Vertriebslinien haben ihre Strategien weiter ausgearbeitet und konsequent umgesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei immer das übergeordnete Ziel, Mehrwert für den Kunden zu schaffen. Daran richten wir alle unsere Aktivitäten aus. Und die Umsetzung dieser Strategie zeigt Wirkung: In vielen Ländern haben wir unsere Marktanteile weiter ausgebaut.

Allerdings haben wir erkannt, dass wir uns auch kulturell weiterentwickeln müssen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf unserem eigenen Führungsverständnis. Denn ich bin davon überzeugt, dass die METRO GROUP ihre volle Leistungskraft nur dann entfalten kann, wenn wir das Vertrauen in den Einzelnen stärken und die Mitarbeiter dazu motivieren, noch engere Beziehungen zu unseren Kunden aufzubauen. Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abgeschlossen sein wird – aber wir bewegen uns mit hohem Tempo in die richtige Richtung. Rund 26.000 Mitarbeiter haben bereits den sogenannten „Leadership for Growth“-Workshop durchlaufen, der unsere neue Führungskultur zum Inhalt hat: authentisch, transparent und dialogorientiert.

Vor rund neun Monaten habe ich Ihnen an dieser Stelle geschrieben, dass das Rumpfgeschäftsjahr 2013 – trotz des fehlenden umsatz- und ergebnisstarken Weihnachtsquartals – ein wichtiges für uns sein wird: ein Jahr, in dem die eingeleiteten Maßnahmen greifen und ihre Wirkung entfalten würden, auch wenn wir weiterhin mit einem außerordentlich schwierigen wirtschaftlichen Umfeld rechneten. Und genau so ist es auch eingetreten.

Auch wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern weiter abgeschwächt hat, verbunden mit anhaltenden Sparanstrengungen zahlreicher Regierungen, haben wir unsere zu Beginn des Rumpfgeschäftsjahres veröffentlichte Prognose erfüllt: Wir haben unseren Umsatz (bereinigt um Portfolioänderungen und Wechselkurseffekte) um 0,9 Prozent auf 45,0 Mrd. € gesteigert und beim EBIT vor Sonderfaktoren mit 728 Mio. € ein Plus von 3,0 Prozent erzielt. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn sehen wir eine kontinuierliche Trendverbesserung, die unsere strategische Stoßrichtung bestätigt. Darüber hinaus haben wir den Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit stark auf –1.768 Mrd. € verbessert. Im abgelaufenen Rumpfgeschäftsjahr haben wir das Augenmerk auf den Einsatz unserer investiven Mittel gelegt und konnten im Ergebnis die Kapitaleffizienz erheblich steigern. Neben zielgerichteten Investitionen in Expansionsländern haben wir unsere Mittel ausschließlich zur Steigerung des Kundenmehrwerts sowie für notwendige Instandhaltungsmaßnahmen verwendet. Auch unser Nettoumlaufvermögen konnten wir verbessern. Dadurch gewinnen wir zusätzlichen Spielraum für die Finanzierung der Neuausrichtung unserer Geschäftsmodelle. Wie angekündigt haben wir zudem unseren Fokus auf effizientere Strukturen und eine verstärkte Kostenkontrolle gerichtet. Unsere Nettoverschuldung konnten wir auch deshalb gegenüber dem 30. September 2012 um 2,3 Mrd. € deutlich zurückführen.

In Summe sind wir in den neun Monaten des Berichtszeitraums sehr gut vorangekommen. Die METRO GROUP beziehungsweise die Vertriebslinien haben sich neu definiert und das Unternehmen hat sowohl an Attraktivität für seine Kunden als auch an wirtschaftlicher Leistungskraft gewonnen. Wir gehen somit gestärkt aus dem Rumpfgeschäftsjahr 2013 hervor – mit mehr Kraft als noch vor neun Monaten.

Der Kapitalmarkt hat die positive Entwicklung begrüßt. Das spiegelt auch die erfreuliche Aktienkursentwicklung wider: Die METRO-Aktie erzielte im Geschäftsjahr 2013 eine deutliche Kurssteigerung von mehr als 39,5 Prozent auf 29,30 € und entwickelte sich weitaus besser als die relevanten Benchmark-Indizes und die Aktienkurse vieler Wettbewerber. Die Tatsache, dass die Anleger unsere Strategie honorieren, lässt sich vor allem mit der fokussierten und kundenorientierten Herangehensweise unserer Vertriebslinien begründen. Dies verdeutlichen auch die folgenden Beispiele:

Unsere Vertriebslinie METRO Cash & Carry hat ihre Relevanz bei den gewerblichen Kunden stark verbessert. Sie hat dafür ein systematisches Zielgruppenmanagement aufgebaut und neue Wege bei der Ansprache ihrer Kunden beschritten. METRO Cash & Carry hat zudem die Sortimente gestrafft beziehungsweise neu ausgerichtet – mit Produkten, die noch besser auf die Bedürfnisse von Gewerbe­treibenden ausgerichtet sind. Da das Handelsumfeld für Nicht-Lebensmittel sich im Geschäftsjahr 2013 als schwierig erwiesen hat, hat METRO Cash & Carry außerdem Bestände deutlich reduziert, um Platz für attraktivere und ansprechendere Nicht-Lebensmittel-Sortimente zu schaffen. Im Gegenzug hat die Nachfrage nach Belieferungs-, Eigenmarken- und Franchise-Lösungen stark zugenommen. Darüber hinaus hat die Vertriebslinie ihr Portfolio an Produkten und Dienstleistungen mit Nachdruck weiterentwickelt. All das hat dazu geführt, dass METRO Cash & Carry neue Kunden gewonnen hat und die Beziehungen zu bestehenden Kunden stärken konnte. Dies wurde auch dadurch ermöglicht, dass wir wieder intensiver führen. Management und Mitarbeiter gehen den Dingen konsequenter nach, um sicherzustellen, dass die Probleme wirklich angepackt werden. Ein Beispiel: Um das Sortiment für die deutschen Kunden attraktiver zu machen, haben wir einen renommierten Chefkoch gebeten, METRO-Märkte in Spanien, Italien und Frankreich zu besuchen und dort nach Spezialitäten für den deutschen Markt zu suchen. Er hat eine Liste von Produkten erstellt, die ihm in den deutschen Märkten fehlen. Inzwischen sind bereits mehrere Hundert dieser Produkte in den Märkten verfügbar.

Bei Media-Saturn konnten wir im Geschäftsjahr 2013 die weitreichendste Transformation innerhalb der METRO GROUP durchführen. Das Wachstumstempo im Online-Bereich erwies sich sowohl im Mehrkanalvertrieb als auch im reinen Internetgeschäft als rasant. Die Vertriebslinie hat ihr Angebot stark erweitert: Sie ist in mehr Ländern als je zuvor online vertreten und bietet eine deutlich höhere Zahl von Artikeln über das Internet an. Parallel dazu hat sie ihr Preisprofil weiter geschärft. Dank des Mehrkanalansatzes, der das stationäre Geschäft mit dem Online-Handel verzahnt, konnte Media-Saturn in vielen Ländern erhebliche Marktanteile gewinnen – obwohl das Umfeld infolge krisenbedingter Kaufzurückhaltung der Verbraucher und einer geringen Zahl an innovativen Produktneuheiten schwierig war. Wie im Dezember 2012 angekündigt, haben wir nach Ablauf der zweijährigen Testphase das Engagement von Media Markt in China beendet und die Standorte im Verlauf des ersten Quartals 2013 abgegeben.

Bei Real haben wir die Veräußerung unseres Osteuropageschäfts weitestgehend abgeschlossen. Real Rumänien, Real Russland und Real Ukraine wurden an das französische Handelsunternehmen Groupe Auchan abgegeben. Die Übertragung des Geschäfts in Polen erwarten wir – nach erfolgter Kartellfreigabe – mit Wirkung zum Jahresende. Nun fokussieren wir uns mit Real auf Deutschland. Mit einer regionalen Führungsstruktur hat sich die Vertriebslinie in ihrem Heimatmarkt nicht nur deutlich kundenorientierter, sondern auch wesentlich schlanker aufgestellt. Herzstück ist der neu eingeführte dezentrale Marktführungsansatz. Dieser erlaubt es den Geschäftsleitern vor Ort, mehr Eigen­initiative bei der Bestimmung des Sortiments zu ergreifen. Im Geschäftsjahr 2013 haben wir außerdem mehr Märkte umgebaut und modernisiert als je zuvor. Nicht zuletzt hat Real das Eigen­markensortiment weiter ausgebaut. Zudem hat die Vertriebslinie ihr innovatives Drive-in-Konzept mit lokalen Abholmärkten weiterentwickelt und ihren Online-Auftritt vollständig überarbeitet.

Galeria Kaufhof hat im Geschäftsjahr 2013 die Marktführerschaft in Deutschland übernommen und damit bewiesen, dass die konsequente Umsetzung einer fokussierten Strategie der richtige Weg ist. Die Vertriebslinie hat neue Marken in ihr Sortiment aufgenommen und ihre Eigenmarkensortimente überarbeitet. Das Engagement schlägt sich in einer höheren Attraktivität und Kundenrelevanz nieder. Mit einer effizienteren Flächennutzung und einem strikten Kostenmanagement konnte Galeria Kaufhof darüber hinaus die Profitabilität weiter verbessern.

Insgesamt werden unsere Vertriebslinien zunehmend kundenorientierter und gewinnen dabei Marktanteile. Um strategisch wichtige Ansätze schnell und effizient umsetzen zu können, bedarf es vor allem einer hohen Eigenverantwortung in der Führung. Mit Beginn des Geschäftsjahres 2013/14 übergeben wir folgerichtig sämtliche Immobilien, die sich eindeutig zuordnen lassen, in die Verantwortung der Vertriebslinien. Wir werden das Immobiliensegment damit nicht mehr länger separat ausweisen, sondern den übrigen Segmenten zuordnen.

Ein herzlicher Dank geht an Sie, unsere sehr geehrten Aktionärinnen und Aktionäre, für das in uns gesetzte Vertrauen. Nach zwei Jahren mit Aktienkursverlusten konnten Sie sich im Geschäftsjahr 2013 wieder über einen deutlichen Kursanstieg freuen. Bedingt durch das Rumpfgeschäftsjahr, in dem das für uns wichtige Weihnachtsgeschäft fehlt, betrug das Ergebnis je Aktie vor Sonderfaktoren lediglich 0,03 €. Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis schlägt der Vorstand der METRO AG der Hauptversammlung am 12. Februar 2014 vor, den Bilanzgewinn des Geschäftsjahres in voller Höhe in die anderen Gewinnrücklagen einzustellen.

Was sind meine Erwartungen für das Geschäftsjahr 2013/14? Wir werden die Transformation der METRO GROUP fortsetzen und uns darauf konzentrieren, die Kostenstrukturen weiter zu verbessern. Beide Aspekte sind für den angestrebten profitablen Wachstumskurs zwingend erforderlich. Das Geschäftsjahr 2013/14 steht für uns darüber hinaus im Zeichen eines wichtigen Ereignisses: Am 27. Oktober 2014 begehen wir den 50. Geburtstag von METRO Cash & Carry – unserer größten Vertriebslinie und der Keimzelle der METRO GROUP. Wir werden den Geburtstag zum Anlass nehmen, die Feierlichkeiten bereits zum Start des Kalenderjahres einzuleiten und unseren gewerblichen Kunden die Vorzüge des Geschäftsmodells von METRO Cash & Carry noch näher zu bringen.

Zum Schluss der Ausblick: Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2013/14, trotz eines nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in vielen unserer Länder, einen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres und ein EBIT vor Sonderfaktoren, das spürbar über dem vergleichbaren Vorjahresniveau von 1,7 Mrd. € liegt. Darüber hinaus wollen wir unsere Nettoverschuldung weiter zurückführen, um unsere Bilanz nachhaltig zu stärken und die Zukunftsfähigkeit der METRO GROUP zu sichern.

Ihr

Unterschrift Olaf Koch (Handschrift)

Olaf Koch
Vorstandsvorsitzender der METRO AG

Düsseldorf, 12. Dezember 2013