Innovationsmanagement

Planungsprozess: Innovationsstrategie

Planungsprozess: Innovationsstrategie (Grafik)

Als Handelsunternehmen stellt die METRO GROUP keine eigenen Produkte her und betreibt folglich keine Forschung und Entwicklung im engeren Sinn. Im Rahmen unseres Innovationsmanagements verfolgen wir vielmehr das Ziel, unsere Neupositionierung in einem sich wandelnden Umfeld voranzutreiben.

Sowohl unsere Branche als auch unsere Kunden befinden sich in einem tief greifenden Veränderungsprozess, der insbesondere durch Megatrends wie Digitalisierung und gesellschaftlichen Wandel vorangetrieben wird. Diese Trends beeinflussen maßgeblich die Art und Weise, wie unsere Kunden leben, arbeiten und konsumieren. Unser Ziel ist es, unsere Kunden bei diesem Wandel zu unterstützen und zu einem relevanten Partner für sie zu werden. Dabei stehen wir vor der Aufgabe, uns selbst wandeln zu müssen. Denn als Händler wollen wir unseren Kunden nicht mehr lediglich Zugang zu Produkten gewähren – ob online oder offline. Um den Handel der Zukunft erfolgreich gestalten zu können, müssen wir den Kunden Mehrwert bieten und sie involvieren. Dafür sind neue Geschäftsmodelle notwendig, mit denen wir Inhalte generieren und sie unseren Kunden anbieten können. Die Organisationseinheit Business Innovation der METRO GROUP setzt dabei zusammen mit den Vertriebslinien auf einen kundenzentrierten Prozess, der alle Beteiligten optimal unterstützt und jeweils mit Blick auf die Kundengruppen der verschiedenen Vertriebslinien angepasst wird (siehe Grafik).

Im Rahmen des Prozesses wurden Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Urbanisierung und Nachhaltigkeit als wichtigste Trends identifiziert, die das Wertesystem, das Leben, das Arbeiten und das Konsumieren der Menschen am stärksten beeinflussen und verändern werden. Auf Basis dieser Analysen stellen wir uns die Fragen: Wie können wir unsere Kunden in Zukunft besser mit einbeziehen? Wie werden wir zum bestimmenden Akteur im Handel? Welche Rolle spielt der stationäre Handel in digitalen Geschäftsmodellen? Dabei wollen wir den Kundennutzen bestmöglich steigern und somit dafür sorgen, dass der Preis nicht mehr das einzig ausschlaggebende Argument ist. Statt lediglich Zugang zu Produkten zu ermöglichen, möchten wir den Kunden mit einbeziehen, unser Angebot stärker personalisieren, uns mit dem Kunden vernetzen und im besten Fall mit ihm zusammenarbeiten. Erst wenn Rahmenbedingungen und Nutzen festgelegt sind, werden detaillierte Geschäftsmodelle definiert und Pilotprojekte umgesetzt. Dabei konzentriert sich das Innovationsmanagement auf klar definierte Schwerpunkte (siehe Grafik). Im Geschäftsjahr 2014/15 wurden die bestehenden Innovationsfelder um den neuen Arbeitsschwerpunkt „Horeca-Services“ erweitert. Das neue Innovationsfeld steht für die Einführung digitaler Dienstleistungen und Lösungen für Hotel- und Restaurantbesitzer sowie Cateringunternehmen. Von zwei Millionen Firmen, die allein in Westeuropa im Gastgewerbe tätig sind, zählen 1,4 Millionen zu den Horeca-Kunden von METRO Cash & Carry. Der Markt der digitalen Dienstleistungen für diese Kundengruppe ist jedoch noch nicht besetzt. Gleichzeitig gibt es viele junge Gründer, die digitale Lösungen anbieten, diese ohne Unterstützung jedoch nicht in eigenen Geschäftsmodellen und größerem Maßstab umsetzen können. Dieses Potenzial sehen wir als so groß an, dass wir am Ende des Geschäftsjahres 2014/15 einen eigenen Bereich Digital Horeca gegründet haben. Ziel der METRO GROUP ist es, Horeca-Kunden digitale Hilfsmittel zur Verfügung zu stellen, damit sie schneller wachsen und ihre Prozesse vereinfacht bewältigen können.

Die METRO GROUP sucht in Europa, den USA, Asien und Afrika aktiv nach Firmen, die zu ihrer Innovationsstrategie passen. Bei Beteiligungen richtet die METRO GROUP ihren Fokus darauf, Start-up-Unternehmen signifikant beim Wachstum zu unterstützen. Im Dezember 2014 haben wir 15 Prozent an dem Unternehmen Emmas Enkel erworben, das traditionelle Nahversorgung mit modernem Onlinehandel verbindet. Seit April 2015 ist die METRO GROUP darüber hinaus an dem US-amerikanischen Online-Jobnetzwerk Culinary Agents mit 18,33 Prozent beteiligt, das sich auf die Vermittlung von Fachkräften für die Gastronomie und Hotellerie spezialisiert hat.

Teil unseres Innovationsmanagements ist es außerdem, die METRO GROUP als interessanten und zuverlässigen Partner für Start-up-Unternehmen zu etablieren und dafür ihre Stärken aktiv einzusetzen. Unser Ziel ist es, die Zusammenarbeit mit Gründern und Jungunternehmern zu verstärken sowie generell Start-up-Strukturen zu festigen und zu unterstützen. Mit Blick auf diese Zielsetzung hat die METRO GROUP im Jahr 2015 mehrere Veranstaltungen zu diesem Thema finanziell und inhaltlich gefördert. Beispielhaft hierfür ist die Veranstaltungsreihe „Innovation in Retail Meetup“, mit der wir eine Plattform für den Austausch zwischen innovativen Start-up-Unternehmen aus Handel und Gastronomie mit der METRO GROUP und ihren Vertriebslinien geschaffen haben. Bei den Veranstaltungen in Düsseldorf stellen Gründer ihre Ideen und Geschäftsmodelle vor, um sich im Anschluss mit anderen Gründern, Experten und Vertretern der METRO GROUP zu vernetzen. Dabei werden wertvolle Kontakte geknüpft, die bereits dazu geführt haben, dass Start-up-Unternehmen Pilotprojekte in den Vertriebslinien der METRO GROUP realisieren konnten. Beispielhaft hierfür sind etwa die Listung von Craft Beer des Berliner Unternehmens BRLO bei Emmas Enkel sowie erste Testaktionen mit Instagram-Druckstationen und -Terminals bei METRO Cash & Carry. Der Service des Unternehmens Dinnery wird in einem sogenannten Pop-up-Store vom 24. September bis 23. Dezember 2015 im Bremer Weserpark angeboten: Das Start-up liefert Gourmetboxen mit frisch vorgekochten Komponenten, aus denen sich Kunden ein Menü in gehobener Gastronomiequalität zubereiten können. POSpulse, ein Start-up-Unternehmen, das für Handelsanalysen am Point of Sale Privatpersonen als Scouts einsetzt, bekam die Gelegenheit zu einem Pilotprojekt mit Media-Saturn. Die Lösung wird inzwischen als Marktforschungsinstrument in der Vertriebslinie genutzt.

Das Innovationsmanagement wirkt aber auch beim Kulturwandel innerhalb des Unternehmens mit. Im Vordergrund steht dabei, das Verständnis dafür zu stärken, dass sich das Unternehmen für das digitale Zeitalter kontinuierlich und immer schneller neu erfinden muss. Die Angst vor dem Wandel soll genommen und die Einsicht geschaffen werden, dass Wandel von allen mitgestaltet werden kann und muss. Dafür wurde im ersten Schritt eine Workshopreihe ins Leben gerufen, die den Mitarbeitern innovative Themen verständlich näherbringt. Mit dem internen sozialen Netzwerk UNITED hat die METRO GROUP im Berichtsjahr darüber hinaus eine neue Kommunikations- und Interaktionsplattform geschaffen, mit deren Hilfe sich Mitarbeiter effizient vernetzen und über Landesgrenzen hinweg an der Entwicklung von Ideen arbeiten können. Auch damit unterstützt die METRO GROUP den Wandlungsprozess im Arbeitsalltag aktiv.

Die sechs Innovationsfelder der METRO GROUP

Die sechs Innovationsfelder der METRO GROUP (Grafik)

In enger Zusammenarbeit testen die Vertriebslinien in den genannten sechs Innovationsfeldern bereits zahlreiche Neuerungen beziehungsweise setzen diese gemeinsam erfolgreich um. Ausgewählte Beispiele hierfür sind im Folgenden dargestellt.

METRO Cash & Carry arbeitet intensiv daran, den Kunden ein idealer Partner im Arbeitsalltag zu sein. Ein Ziel ist es, Horeca-Kunden verstärkt bei Digitalisierungsprozessen zu unterstützen. Die METRO GROUP ist dazu im Geschäftsjahr 2014/15 eine strategische Partnerschaft mit dem Online-Jobnetzwerk Culinary Agents eingegangen. Das US-amerikanische Start-up-Unternehmen arbeitet mit einer selbst entwickelten, dynamischen Technologie, die Talente und Unternehmen direkt miteinander vernetzt. Das Netzwerk bietet außerdem Tools für Bewerberauswahl, -management und -kommunikation. Mit der Beteiligung an Culinary Agents bietet METRO Cash & Carry seinen wichtigen Kundengruppen aus Gastronomie, Hotellerie und Catering einen weiteren Service für den täglichen Erfolg im Geschäft. Das Unternehmen Culinary Agents, das bereits in mehr als 30 Städten der Vereinigten Staaten aktiv ist, startete im Oktober 2015 zunächst in Italien und Frankreich, weitere Länder sollen 2016 folgen.

Um den Kunden von METRO Cash & Carry in Zukunft neue Dienstleistungen und Technologien anbieten zu können, hat die METRO GROUP im Geschäftsjahr 2014/15 den Techstars METRO Accelerator ins Leben gerufen. Das neu aufgelegte Förderprogramm wird gemeinsam mit dem US-Unternehmen Techstars, einem der international renommiertesten Start-up-Netzwerke, sowie der Digitalagentur R/GA durchgeführt. Der Techstars METRO Accelerator richtet sich an Gründer mit innovativen technologischen Anwendungen für Gastronomie, Hotellerie und Catering. Im Rahmen des Programms unterstützen erfahrene Mentoren und Experten ausgewählte Start-up-Unternehmen dabei, innerhalb von drei Monaten das eigene Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln. Während der Programmphase arbeiten die Gründer außerdem eng mit Vertretern der METRO Cash & Carry Landesgesellschaften für ein erstes Pilotprojekt zusammen. Am sogenannten Demo Day im Januar 2016 präsentieren die Teams ihre Geschäftskonzepte vor internationalen Investoren, führenden Branchenvertretern und der Öffentlichkeit. Der Techstars METRO Accelerator ist weltweit das erste Förderprogramm, das sich auf Technologieanwendungen für die Gastronomie fokussiert.

Um den Kunden ein einzigartiges Einkaufs- und Frischeerlebnis zu ermöglichen, arbeitet METRO Cash & Carry darüber hinaus mit dem Berliner Start-up Infarm an einem Pilotprojekt. Indoor Farming soll somit in die METRO Cash & Carry Großmärkte gebracht werden. Infarm hat sich darauf spezialisiert, Sprossen, Keimlinge und Kräuter bis hin zu Salaten nachhaltig in geschlossenen Räumen anzubauen. Die Pflanzen werden mithilfe von technischen Installationen im Großmarkt angebaut und direkt an den Kunden verkauft.

Bei Media-Saturn haben sich Neuerungen bei der Warenauslieferung bewährt. Expresslieferungen und Lieferungen zu einem vereinbarten Wunschtermin sind mittlerweile fester Bestandteil des Serviceangebots für Kunden. Um deren Ansprüche und Wünsche optimal erfüllen zu können, arbeitet Media-Saturn gemeinsam mit dem Bereich Business Innovation zudem an neuen Marktformaten.

Darüber hinaus hat Media-Saturn im Herbst 2014 ein Projekt mit dem Mobile-Shopping-Dienstleister Shopkick gestartet. Kunden stoßen mithilfe der Shopkick-App auf Produkte und Angebote in Geschäften in ihrer Nähe. Beim Betreten eines Geschäfts wird der Kunde dann mit „Kicks“ belohnt, die über Shopkick gegen Gutscheine eingelöst werden können. Um diese und weitere Dienstleistungen möglich zu machen, verwendet Shopkick Beacons. Dabei handelt es sich um winzige Sender, die als Signalgeber fungieren und von entsprechend konfigurierten Smartphones empfangen werden können. Media-Saturn wollte die neue Technologie testen und ist daher die Partnerschaft mit Shopkick eingegangen. Zudem nutzt Media-Saturn Shopkick, um zielgerichtetes und individuelles Marketing über die App zu betreiben. So hat sich im Zeitraum von Januar bis August 2015 mehr als eine halbe Million Kunden „Kicks“ in einem Elektrofachmarkt von Media Markt oder Saturn abgeholt. Dabei haben diese Kunden mehr als zehn Millionen Produktansichten über die App abgerufen. Das Projekt mit Shopkick ist zunächst bis Frühjahr 2016 angesetzt.

Real hat mit dem Relaunch der Real-App für iOS- und Android-Betriebssysteme im April 2015 den Mehrwert für die Kunden deutlich erhöht. Mehr als 870.000 Kunden haben die Applikation seit dem Start im Jahr 2010 auf einem iOS- oder Android-Gerät installiert. Im Hinblick auf zukünftig geplante kundenindividuelle Marketingaktivitäten ist die Real-App zudem stärker personalisiert worden und kann nun vom Benutzer seinen Präferenzen entsprechend angepasst werden. Nach dem Einloggen werden dem Kunden direkt auf der Startseite individualisierte Dienstleistungen und Informationen angeboten. Auch ein neuer Rezeptbereich wurde in die App integriert. Als Erleichterung im Rahmen der neuen technischen Funktionen steht Nutzern der Real-App nun in bereits mehr als 100 Real SB-Warenhäusern kostenloses WLAN zur Verfügung – ohne Zugriffs- oder Datenvolumenbeschränkung.

Im Rahmen ihrer 15-prozentigen Beteiligung an Emmas Enkel erprobt die METRO GROUP neue Multichannel-Konzepte im kleinformatigen Lebensmittelhandel in Deutschland. Real agiert dabei als operativer Partner und beliefert Emmas Enkel mit hochwertigen Lebensmitteln, regionalen Frischwaren, Haushalts- und Drogerieartikeln sowie Eigenmarkenartikeln. Die Vertriebslinie erreicht über die innerstädtischen Emmas-Enkel-Läden und den Onlineshop neue Kundengruppen und schafft sich so einen neuen Absatzkanal.

Auch darüber hinaus halten neue Technologien Einzug in die Märkte unserer Vertriebslinie. Real bietet Kunden beispielsweise neue Zahlungssysteme. Dazu gehören Selbstzahlerkassen sowie Kassen, die mit der drahtlosen Übertragungstechnik NFC (Near Field Communication) ausgestattet sind. Damit lassen sich Einkäufe mit kompatiblen Karten oder Mobiltelefonen kontaktlos bezahlen. Im Rahmen der Einführung dieser Technik nimmt Real an der Mobile-Payment-Initiative „NFC City Berlin“ teil. Das bundesweit größte Projekt dieser Art, für das die Firma GS1 Germany die Plattform geschaffen hat, startete im April 2015 und wird über ein Jahr laufen. „NFC City Berlin“ ist eine Kooperation aller deutschen Mobilfunknetzbetreiber sowie führender Handelsunternehmen. Ziel ist es, Kunden mit dem Thema des mobilen Zahlens vertraut zu machen und sie dafür zu gewinnen.

Gemeinsam mit Ebay und Paypal testete die METRO GROUP in einem vertriebslinienübergreifenden dreimonatigen Projekt ein neues Omnichannel-Konzept. Von Oktober 2014 bis Januar 2015 konnten Kunden und Händler im sogenannten „The Inspiration Store“ diese Form des Handels selbst testen und erleben. Auf rund 200 Quadratmetern Verkaufsfläche kamen im Bremer Einkaufszentrum Weserpark verschiedene Technologien zahlreicher Hersteller und Dienstleister zum Thema Online- und Offlineeinkaufen in neuer Kombination zum Einsatz. Im Fokus standen dabei unter anderem das QR-Code-Shopping und Bezahlmethoden wie das Bezahlen per Paypal-App. Die Ware konnte vor Ort im Geschäft mitgenommen, nach Hause geliefert oder direkt online bestellt werden. Ziel des Projekts war es, Erfahrungen im Bereich des über alle Kanäle vernetzten Handels zu sammeln. So besuchten mehr als 40.000 Kunden den „Inspiration Store“. Vor allem die angebotenen Omnichannel-Funktionen wie „Ship from Store“ und die Bezahlung via Smartphone stießen bei ihnen auf großes Interesse. Zehn Prozent der Umsätze wurden über Paypal getätigt.

Nach den bisherigen Projekten mit Kooperationspartnern ist die METRO GROUP einen Schritt weiter gegangen und testet zurzeit das Konzept „Cross-Border E-Commerce“. Dabei arbeitet der Bereich Business Innovation eng mit METRO Cash & Carry China zusammen, um auf der asiatischen E-Commerce-Plattform Tmall deutsche Produkte anbieten zu können. Tmall ist eine Tochtergesellschaft der Alibaba Group und Chinas drittgrößte E-Commerce-Plattform für Marken und Händler. Im Rahmen dieses Testprojekts liefert die Vertriebslinie Real unter anderem Eigenmarkenprodukte nach China. Der riesige Markt und die hohe Nachfrage nach deutschen Produkten in China bieten ein großes Potenzial, das die METRO GROUP nutzen will.