Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 2015/16

Die Weltwirtschaft hat sich im Geschäftsjahr 2014/15 uneinheitlich entwickelt. Während die USA, West- und Zentraleuropa insgesamt ein robustes Wachstum aufwiesen, fiel die Entwicklung in den osteuropäischen und asiatischen Schwellenländern insgesamt verhalten aus. Alles in allem lag das Weltwirtschaftswachstum 2015 mit rund 2,4 Prozent in derselben Größenordnung wie im Jahr zuvor.

Trotz der Belebung insbesondere in den reiferen Märkten bleibt die weltwirtschaftliche Entwicklung weiter fragil. Vor allem in den Schwellenländern hat sich in den vergangenen Monaten die wirtschaftliche Lage eingetrübt. Viele rohstoffexportierende Schwellenländer werden durch die niedrigen Rohstoffpreise belastet. Gleichzeitig besteht Unsicherheit über die erwartete Zinswende in den USA, die einen weiteren Abzug von Kapital aus den Schwellenländern zur Folge haben könnte. Die größte Unsicherheit besteht gegenwärtig bezüglich des Wirtschaftswachstums in China, das sich bereits im Geschäftsjahr 2014/15 abgeschwächt hat. Der Strukturwandel hin zu einer Stärkung der Inlandsnachfrage belastet Industriebereiche und Außenhandel. Eine schwächere Importnachfrage Chinas hat dabei negative Folgen auf den Welthandel. Je nach Grad der weiteren Abschwächung fallen auch die Folgen für die Weltwirtschaft unterschiedlich aus. Auch in Russland sind die Rahmenbedingungen nach wie vor schwierig, der niedrige Ölpreis belastet die Wirtschaft weiterhin. Allerdings rechnen wir nach dem Rückgang 2014/15 damit, dass sich die konjunkturelle Entwicklung in Russland im Geschäftsjahr 2015/16 stabilisiert.

In Westeuropa setzen sich der Aufschwung beziehungsweise die Erholung fort. Die Frühindikatoren bewegen sich weiter im positiven Bereich, der Wachstum signalisiert. Unter der Voraussetzung, dass China eine kontrollierte Verlangsamung des Wachstums ohne stärkeren Einbruch gelingt, weist die Eurozone kurzfristig weiter gute Wachstumsperspektiven auf, hauptsächlich aufgrund nach wie vor unterdurchschnittlicher Energiepreise, des niedrigen Stands des Euro gegenüber dem US-Dollar sowie anhaltend niedriger Zinsen. Daher deuten die Frühindikatoren auch weiterhin auf Wachstum. Mittelfristig begrenzen aber strukturelle Schwächen die Dynamik. Zudem wirkt sich die Staatsverschuldung – nicht nur in Griechenland – weiter auf die mittelfristigen Wachstumsperspektiven aus.

Nach zwei Jahren mit niedrigen Inflationsraten und zeitweise deflationären Tendenzen insbesondere in West- und Zentraleuropa erwarten wir für das Geschäftsjahr 2015/16 wieder eine leicht ansteigende Inflation, die aber vermutlich weiter unterdurchschnittlich ausfallen wird. Für den Ölpreis gehen wir nach dem starken Rückgang 2014/15 grundsätzlich von einem allmählichen Anstieg aus; dieser wird aber voraussichtlich wie auch für andere Rohstoffe moderat bleiben. Da die weltwirtschaftliche Nachfrage voraussichtlich auch im laufenden Geschäftsjahr im langfristigen Vergleich unterdurchschnittlich ausfallen wird, ist auch von dieser Seite nicht mit einem stärkeren Inflationsdruck zu rechnen.

Vor diesem Hintergrund ist für das Geschäftsjahr 2015/16 ein Wachstum zu erwarten, das vermutlich nur leicht über dem des Berichtsjahres liegen wird. Insgesamt ist die Weltwirtschaft nach Finanz- und Staatsschuldenkrise noch nicht wieder auf einem nachhaltigen Wachstumspfad angekommen. Dabei stellt kurzfristig vor allem die Entwicklung in den Schwellenländern einen wesentlichen Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft dar.

Deutschland

Die deutsche Wirtschaft entwickelte sich im Berichtsjahr 2014/15 im westeuropäischen Vergleich erneut überdurchschnittlich. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für ein weiteres Jahr mit solidem Wachstum gegeben. Frühindikatoren wie der ifo Geschäftsklimaindex deuten weiterhin auf Wachstum. Für die Gesamtwirtschaft erwarten wir nach rund 1,6 Prozent im Jahr 2015 auch für 2016 ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung. Die weiter rückläufige Arbeitslosigkeit begünstigt privaten Konsum und Handel, die auch im Geschäftsjahr 2015/16 zentrale Pfeiler des Wirtschaftswachstums bleiben werden. Das Handelswachstum wird daher nach nominal rund 2,5 Prozent im Geschäftsjahr 2014/15 ein weiteres Mal im westeuropäischen Vergleich überdurchschnittlich ausfallen. Darüber hinaus bietet auch die gegenwärtig in hohem Maße stattfindende fluchtbedingte Migration nach Deutschland – neben den damit verbundenen logistischen Herausforderungen – Chancen, sofern die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt.

Westeuropa

Für Westeuropa bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor dem Hintergrund des unterdurchschnittlichen Ölpreises, der niedrigen Eurobewertung gegenüber dem US-Dollar und dem Niedrigzinsumfeld insgesamt vorteilhaft. Daher rechnen wir kurzfristig mit der Fortsetzung eines vergleichsweise soliden Wirtschaftswachstums. Für die meisten Länder Westeuropas erwarten wir ein Wachstum in ähnlicher Größenordnung wie im abgelaufenen Geschäftsjahr von 1,5 Prozent. Dabei fällt die Heterogenität der Entwicklungen zwischen den Ländern nicht mehr so stark aus wie in den vergangenen Jahren. Weiter überdurchschnittlich wird dabei voraussichtlich die spanische Wirtschaft wachsen. Insgesamt unterdurchschnittlich fällt das Wachstum voraussichtlich ein weiteres Jahr in Italien aus. Trotz kurzfristig günstiger Rahmenbedingungen sind die mittelfristigen Wachstumsperspektiven aufgrund der nach wie vor hohen Staatsverschuldung sowie weiterhin notwendiger Strukturreformen beeinträchtigt.

Aufgrund der positiveren Wirtschaftsentwicklung im Geschäftsjahr 2014/15 hat sich auch die Situation auf den Arbeitsmärkten in vielen Ländern verbessert. Dies kommt auch dem Konsum sowie dem Handel zugute. Nach einem im Vergleich zu den Vorjahren insgesamt soliden Handelswachstum von nominal etwas über 1 Prozent 2014/15 rechnen wir für das Geschäftsjahr 2015/16 mit einem Wachstum leicht darüber. Auch hier erwarten wir insbesondere für Spanien ein überdurchschnittliches Wachstum.

Osteuropa

In Osteuropa verläuft die Entwicklung nach wie vor zweigeteilt: In den mitteleuropäischen Ländern erwarten wir weiter eine vergleichsweise robuste Entwicklung mit Wachstumsraten in der Größenordnung des vergangenen Geschäftsjahres bei knapp 3 Prozent. Für Russland und die Ukraine bleibt das wirtschaftliche Umfeld dagegen schwierig. Wir rechnen allerdings damit, dass sich die russische Wirtschaft im Geschäftsjahr 2015/16 nach dem starken Rückgang 2014/15 allmählich stabilisieren wird. Das Wachstum in der Türkei hat sich in den vergangenen Quartalen verlangsamt. Für das Geschäftsjahr 2015/16 erwarten wir vor dem Hintergrund nach wie vor herausfordernder politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nur ein vergleichsweise moderates Wirtschaftswachstum unterhalb von 3 Prozent.

Die zweigeteilte Entwicklung Osteuropas kommt auch in den Erwartungen für den Handel zum Ausdruck: Für die Länder Mitteleuropas rechnen wir im Geschäftsjahr 2015/16 mit einer Fortsetzung robust wachsender Handelsumsätze. In Russland und der Türkei wird der Handel vor allem durch weiter ansteigende Preise wachsen, wobei die Entwicklung insbesondere in Russland voraussichtlich niedriger ausfällt als im Geschäftsjahr 2014/15. Preisbereinigt wird der Handel in der Türkei dagegen voraussichtlich unterhalb von 3 Prozent bleiben und in Russland – nach rückläufigen Handelsumsätzen im Geschäftsjahr 2014/15 – stagnieren.

Für die Region insgesamt rechnen wir nach der im Wesentlichen durch Russland bedingten rückläufigen Wirtschaftsleistung im Geschäftsjahr 2014/15 mit einem leichten Wachstum im laufenden Geschäftsjahr. Mittelfristig erwarten wir für Osteuropa wieder eine höhere Dynamik und die Ausschöpfung des nach wie vor hohen Nachholpotenzials.

Asien

Die Schwellenländer Asiens waren trotz Abschwächung Chinas auch im Geschäftsjahr 2014/15 die wachstumsstärkste Region, in der die METRO GROUP tätig ist. Wir gehen davon aus, dass dies auch im Geschäftsjahr 2015/16 so sein wird. Allerdings bleibt die Unsicherheit über das Ausmaß des wirtschaftlichen Abschwungs in China bestehen. Dagegen wächst die indische Wirtschaft im Unterschied zu vielen anderen Schwellenländern trotz bestehender struktureller Probleme voraussichtlich weiter in der Größenordnung von 7 Prozent. Japans Wirtschaft bleibt kurzfristig auf die expansive Geld- und Finanzpolitik angewiesen, was die langfristigen Probleme infolge der hohen Staatsverschuldung verstärkt. Für 2015/16 erwarten wir aber ein solides Wachstum oberhalb von 1 Prozent.

Für den Handel erwarten wir in China und Indien weiter nominale Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Auch preisbereinigt wird das Wachstum voraussichtlich in Indien im mittleren und in China im höheren einstelligen Bereich liegen. Im gesättigten japanischen Markt ist dagegen nur mit einer moderaten Handelsdynamik zu rechnen.

Aufbauend auf unserem Ausblick zur Wirtschafts- und Handelsentwicklung gibt der folgende Abschnitt einen Überblick über die Folgen in einzelnen Branchen sowie für unsere Vertriebslinien.