Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen1

Die Weltwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr uneinheitlich entwickelt. In den USA verlief das Wachstum nach enttäuschendem Jahresbeginn positiv und auch in den Ländern Westeuropas setzte sich die Erholung insgesamt fort. Dabei wurden die Volkswirtschaften der Eurozone durch den niedrigen Ölpreis, den niedrigen Eurokurs gegenüber dem US-Dollar sowie die niedrigen Zinsen gestützt. Die Entwicklung in Osteuropa war dagegen zweigeteilt: auf der einen Seite die zentraleuropäischen Länder mit insgesamt stabiler Entwicklung, auf der anderen Seite die Länder Osteuropas, in denen die wirtschaftliche Situation nach wie vor vom Russland/Ukraine-Konflikt überlagert wurde. In Asien schwächte sich das Wachstum insbesondere in China ab, die Region insgesamt wies aber nach wie vor das stärkste Wachstum aller Regionen auf, in denen die METRO GROUP vertreten ist. Alles in allem lag das Weltwirtschaftswachstum 2015 mit rund 2,4 Prozent in derselben Größenordnung wie im Jahr zuvor (2,4 Prozent).

Gleichzeitig verstärkten sich im Jahresverlauf viele politische Krisen und Konflikte, vor allem im Nahen Osten. Allerdings gab es auch Entspannung durch die Unterzeichnung des Atomabkommens mit dem Iran Mitte 2015. In Europa dominierten der Russland/Ukraine-Konflikt und der drohende Staatsbankrott Griechenlands die politische Agenda. Ersterer führte in der Ukraine zu erheblichen wirtschaftlichen Beeinträchtigungen, in Russland wurde die ohnehin schwache Konjunktur durch den Konflikt weiter gedämpft. Das nachlassende Investorenvertrauen sowie die Sanktionsmaßnahmen der Europäischen Union und der USA, verbunden mit dem sinkenden Ölpreis, hatten einen erheblichen Rückgang der russischen Wirtschaftsleistung zur Folge. Die griechische Schuldenkrise nahm zwar in der politischen Diskussion einen hohen Stellenwert ein, die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Westeuropa blieben aber insgesamt gering.

Im Geschäftsjahr 2014/15 wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar erheblich ab. Ein Grund dafür war die insgesamt expansiv ausgerichtete Geldpolitik der Europäischen Zentralbank mit dem Programm zum Ankauf von Staatsanleihen. Gleichzeitig konnten die für die METRO GROUP relevanten asiatischen Währungen gegenüber dem Euro an Wert gewinnen. Erheblich verloren gegenüber dem Euro haben dagegen insbesondere die ukrainische Hrywnja, der russische Rubel und die kasachische Tenge aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Lage sowie des weiteren Rückgangs des Ölpreises. Als Konsequenz der Währungsabwertungen stiegen die Verbraucherpreise in diesen Ländern zweistellig an. Die Teuerung bei Lebensmitteln lag aufgrund des russischen Importverbots westlicher Lebensmittel noch über der durchschnittlichen Inflationsrate. In der Türkei und Indien zeigte sich nach hohen Preissteigerungsraten in den Vorjahren ein leichter Rückgang der Inflation, der vor allem auf den niedrigen Ölpreis zurückzuführen ist. Die rückläufigen Energiepreise sind auch der Hauptgrund für die niedrigen Inflationsraten mit zeitweise sogar deflationären Tendenzen in den meisten anderen europäischen Ländern. Im Durchschnitt der Euroländer stagnierten die Verbraucherpreise 2015. Gleichzeitig stiegen die Lebensmittelpreise mit rund 0,5 Prozent nur unterdurchschnittlich an.

Bezogen auf die Regionen, in denen die METRO GROUP tätig ist, konnte sich die Wirtschaft in Westeuropa im Geschäftsjahr 2014/15 weiter erholen und wuchs stärker als im Jahr zuvor. Dabei zeigte Deutschland im westeuropäischen Vergleich erneut eine überdurchschnittliche Entwicklung. Die Länder Mitteleuropas konnten aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtung mit Westeuropa insgesamt von der Erholung profitieren und wuchsen ebenfalls etwas stärker als 2014. Dagegen war die wirtschaftliche Lage in den osteuropäischen Schwellenländern – auch vor dem Hintergrund der politischen Krisen –, insbesondere in Russland und der Ukraine, deutlich angespannter. Insgesamt ging daher die Wirtschaftsleistung in Ost- und Mitteleuropa im Geschäftsjahr 2014/15 zurück. Die asiatischen Schwellenländer wiesen zwar wiederholt die höchsten Wachstumsraten auf, allerdings schwächte sich die Wirtschaft in China ab. Dadurch, dass Japan sich nach der Rezession 2014 wieder etwas besser entwickelte, lag das Wachstum 2015 in Asien insgesamt mit rund 3,8 Prozent leicht oberhalb des Vorjahres.

Die im Kapitel Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen genannten Zahlen zur BIP-Entwicklung beziehen sich jeweils auf die Gesamtjahre 2014 und 2015. Dementsprechend handelt es sich bei den 2015er-Werten um Prognosen. Die qualitativen Aussagen im Text beziehen sich hingegen, soweit nicht anders angegeben, auf den Berichtszeitraum.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts wichtiger Weltregionen und Deutschlands
Veränderungen zum Vorjahr in Prozent

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20141

20152

Quelle: Feri

1

Vorjahreswerte können gegenüber dem Geschäftsbericht 2013/14 abweichen, falls bei dessen Fertigstellung finale Zahlen noch nicht vorlagen

2

Prognose

Welt

2,4

2,4

Deutschland

1,6

1,6

Westeuropa (ohne Deutschland)

1,3

1,5

Osteuropa

1,4

−0,4

Asien

3,6

3,8

Konsumgüterhandel mit gemischter Entwicklung

Aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in den Regionen, in denen die METRO GROUP tätig ist, entwickelte sich auch der Handel gemischt. In Westeuropa spiegelte sich die wirtschaftliche Erholung in steigenden Handelsumsätzen – allerdings ausgehend von niedrigem Niveau wider. Mit etwas mehr als 1 Prozent war das Wachstum insgesamt moderat. In Ost- und Mitteleuropa fielen die Handelszahlen unterschiedlich aus. Während die mitteleuropäischen Länder ein robustes Wachstum oberhalb von 3 Prozent aufwiesen, gingen die Handelsumsätze in Russland und der Ukraine preisbereinigt stark zurück. Die Schwellenländer Asiens wiesen trotz leichter Abschwächung wiederholt die höchsten Wachstumsraten auf.

Deutschland

Deutschland entwickelte sich im Berichtsjahr im westeuropäischen Vergleich erneut überdurchschnittlich. Die rückläufige Arbeitslosigkeit und die Zunahme der verfügbaren Einkommen stärkten dabei privaten Konsum und Einzelhandel, die sich dadurch zu den Eckpfeilern des Wirtschaftswachstums entwickeln konnten. Insgesamt legte der Handel mit Nichtlebensmitteln nominal stärker zu als der Handel mit Lebensmitteln. Wesentliche Ausnahme bei Nichtlebensmitteln war der Bekleidungsbereich, der einen Rückgang verkraften musste. Gleichzeitig wuchs der Onlinehandel weiter und konnte seinen Marktanteil steigern.

Westeuropa

In Westeuropa wirkten der niedrige Ölpreis, der niedrige Eurokurs gegenüber dem US-Dollar sowie die niedrigen Zinsen durch das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank wie ein kurzfristiges Konjunkturprogramm. Dagegen beschäftigte die Unsicherheit bezüglich eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Währungsunion wiederholt die Länder der Eurozone. Insgesamt wiesen die Länder der Eurozone aber im Geschäftsjahr 2014/15 mit 1,5 Prozent eine verbesserte Wachstumsentwicklung auf. Aufgrund der wirtschaftlichen Belebung ging die Arbeitslosigkeit langsam, aber kontinuierlich zurück. Dadurch erholte sich auch das Handelsgeschäft. Nominal konnte der Handel nach drei schwachen Jahren um mehr als 1 Prozent zulegen. Gleichzeitig stagnierten die Verbraucherpreise nahezu, sodass sich das preisbereinigte Plus in ähnlicher Größenordnung bewegt.

Insgesamt war die Heterogenität der Länder etwas weniger ausgeprägt als in den Vorjahren. Besonders erfreulich verlief die Entwicklung in Spanien. Das Land konnte sowohl eine der höchsten BIP-Wachstumsraten als auch das höchste Handelswachstum verzeichnen. In Italien fiel die Erholung dagegen im westeuropäischen Vergleich unterdurchschnittlich aus.

Osteuropa

In Osteuropa wurde die Entwicklung trotz einer kurzfristigen Stabilisierung nach dem zweiten Minsker Abkommen weiter vom Russland/Ukraine-Konflikt überlagert, der insbesondere für Russland und die Ukraine negative wirtschaftliche Folgen hatte. Russlands Wirtschaft wurde zusätzlich durch den niedrigen Ölpreis belastet. Gleichzeitig stieg in beiden Ländern die Inflation aufgrund der Währungsabwertungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark an. Dabei erhöhten sich die Lebensmittelpreise in Russland aufgrund des selbst auferlegten Importstopps überdurchschnittlich. Die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wirkten sich auch negativ auf das Handelsgeschäft aus. Während die Handelsumsätze aufgrund der überdurchschnittlichen Preissteigerungen nominal noch anstiegen, waren sie preisbereinigt stark rückläufig. In den Ländern Zentraleuropas – in Polen, Tschechien und der Slowakei – zeigte sich dagegen insgesamt eine robuste wirtschaftliche Entwicklung. Davon konnte auch das Handelsgeschäft profitieren, das sich mit einem nominalen Wachstum oberhalb von 3 Prozent solide entwickelte. In der Türkei zeigten die Handelsumsätze bei einer Stabilisierung des Wirtschaftswachstums ein knapp zweistelliges nominales Wachstum, das auch preisbereinigt mit rund 4 Prozent noch ordentlich ausfiel. In den Balkanländern wies insbesondere Rumänien eine gute nominale Handelsentwicklung oberhalb von 5 Prozent auf, wohingegen die Handelsumsätze in Bulgarien, Kroatien und Serbien schwächer ausfielen.

Asien/Afrika

Die Schwellenländer in Asien wiesen im Geschäftsjahr 2014/15 erneut das höchste Wirtschaftswachstum auf. Allerdings hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft insgesamt abgeschwächt. Eine positive Tendenz zeigte dagegen Indien, das zuletzt wieder wirtschaftliche Wachstumsraten oberhalb von 7 Prozent vorweisen konnte. In beiden Ländern legte der Handel im Berichtszeitraum nominal zweistellig zu. In Indien ist diese Entwicklung allerdings zur Hälfte auf den Preisanstieg zurückzuführen. Japans Wirtschaft fand, gestützt durch eine expansive Geld- und Fiskalpolitik, langsam den Weg aus der Rezession. Das Handelsgeschäft stagnierte im Geschäftsjahr 2014/15 zwar noch, wies aber zuletzt eine positive Tendenz auf.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts der METRO GROUP Länder
Veränderungen zum Vorjahr in Prozent

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20141

20152

1

Vorjahreswerte können gegenüber dem Geschäftsbericht 2013/14 abweichen, da bei dessen Fertigstellung finale Zahlen noch nicht vorlagen

2

Prognose

Indien

7,1

7,3

China

7,3

6,8

Vietnam

6,0

5,9

Pakistan

3,4

4,1

Tschechien

2,0

4,0

Luxemburg

5,6

4,0

Rumänien

2,8

3,6

Polen

3,3

3,5

Spanien

1,4

3,2

Schweden

2,3

3,2

Türkei

2,9

3,1

Slowakei

2,4

2,9

Ungarn

3,6

2,7

Bulgarien

1,7

2,1

Kasachstan

4,3

2,0

Niederlande

1,0

2,0

Serbien

−1,8

1,7

Deutschland

1,6

1,6

Portugal

0,9

1,6

Belgien

1,1

1,2

Frankreich

0,2

1,1

Kroatien

−0,4

1,1

Schweiz

1,9

1,0

Italien

−0,4

0,8

Österreich

0,4

0,7

Japan

−0,1

0,6

Moldawien

4,6

−1,0

Griechenland

0,8

−1,9

Russland

0,6

−4,1

Ukraine

−6,8

−14,6