Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen1

Die Weltwirtschaft hat sich im Geschäftsjahr 2015/16 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter abgeschwächt. Insgesamt ist sie nach Finanz- und Staatschuldenkrise noch nicht wieder auf einem nachhaltigen Wachstumspfad angekommen. Die Entwicklung verlief dabei ein weiteres Mal sehr uneinheitlich.

In den USA schwächte sich das Wachstum insbesondere Anfang 2016 ab und erholte sich im weiteren Jahresverlauf nur leicht, sodass die Wirtschaft dort insgesamt wesentlich langsamer wuchs als in den beiden Vorjahren. In Westeuropa setzte sich dagegen die moderate Erholung fort. Gestützt wurde das Wachstum dabei erneut durch den niedrigen, wenn auch im Jahresverlauf ansteigenden Ölpreis sowie die niedrigen Zinsen. Trotz nach wie vor hoher Staatsverschuldung und einer weiterhin nur schwachen Investitionstätigkeit konnte die Region auch dank eines insgesamt soliden privaten Konsums ein positives Wachstum vorweisen. In Osteuropa war die Entwicklung weiterhin zweigeteilt: auf der einen Seite die zentraleuropäischen Länder mit insgesamt stabilem Wachstum, auf der anderen Seite die übrigen Länder Osteuropas, in denen die wirtschaftliche Situation nach wie vor vom Russland/Ukraine-Konflikt sowie von der rückläufigen russischen Wirtschaft überlagert wurde. In Asien schwächte sich das Wachstum in China weiter ab, gleichzeitig konnte die japanische Wirtschaft nur leicht wachsen. Die Region insgesamt wies aber nach wie vor das stärkste Wachstum aller Regionen auf, in denen die METRO GROUP tätig ist. Alles in allem lag das Weltwirtschaftswachstum 2016 mit etwas über 2 Prozent unterhalb des bereits schwachen Vorjahreswachstums von 2,5 Prozent.

1 Die im Kapitel Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen genannten Zahlen zur BIP-Entwicklung beziehen sich jeweils auf die Gesamtjahre 2015 und 2016. Dementsprechend handelt es sich bei den 2016er-Werten um Prognosen. Die qualitativen Aussagen im Text beziehen sich hingegen, soweit nicht anders angegeben, auf den Berichtszeitraum.

Das Geschäftsjahr 2015/16 war politisch von einer Zunahme terroristischer Anschläge geprägt, wobei die Türkei, Belgien und Frankreich besonders betroffen waren. In der Türkei führte der Putschversuch des Militärs im Juli 2016 zur Verhängung des Ausnahmezustands. Seit Mitte Juni 2016 dominierte der anstehende Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union (Brexit) die politische Debatte. Die konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexit hängen im Wesentlichen vom Verhandlungsprozess zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich in den kommenden Jahren ab. Die wirtschaftlichen Folgen im abgeschlossenen Geschäftsjahr fielen außerhalb des Vereinigten Königreichs überschaubar aus.

Über das gesamte Geschäftsjahr 2015/16 hat sich der Euro gegenüber dem US-Dollar nach der starken Abwertung 2014/15 insgesamt stabilisiert. Nach der Aufwärtsbewegung im ersten Halbjahr wies er in der Folge der Brexit-Abstimmung zunächst einen Abwärtstrend auf, hat sich seitdem aber wieder leicht erholt. Der japanische Yen ist die einzige wesentliche Währung in den METRO GROUP Ländern, die im Berichtsjahr substanziell gegenüber dem Euro an Wert zugelegt hat. Stark rückläufig war dagegen der kasachische Tenge. Ebenfalls weiter signifikant an Wert verloren haben der russische Rubel, die ukrainische Hrywnja sowie die türkische Lira. Als Konsequenz der Währungsabwertungen stiegen die Verbraucherpreise in diesen Ländern deutlich an. Mit allmählicher Stabilisierung der Währungen in Russland und der Ukraine ging dort auch die Inflation zurück. In den übrigen Ländern Europas stagnierten die Preise dagegen weiterhin nahezu. Gründe dafür sind die nach wie vor niedrigen Energiepreise sowie die fortdauernd verhaltene weltwirtschaftliche Nachfrage. Die Lebensmittelpreise stiegen im Vergleich zu den gesamten Verbraucherpreisen leicht überdurchschnittlich an, der Zuwachs fiel mit unter einem Prozent aber ebenfalls verhalten aus.

Bezogen auf die Regionen, in denen die METRO GROUP tätig ist, lag das Wirtschaftswachstum in Deutschland und Westeuropa im Geschäftsjahr 2015/16 jeweils in der Größenordnung des Vorjahres. Osteuropa insgesamt konnte in diesem Zeitraum wieder etwas stärker wachsen. Dies ist insbesondere auf den Basiseffekt in Russland zurückzuführen: Nach dem konjunkturellen Einbruch im Jahr 2015 war die Wirtschaftsleistung bis September 2016 nur noch leicht rückläufig. Die mitteleuropäischen Länder wiesen dagegen aufgrund der Verflechtung mit den westeuropäischen Ländern im Geschäftsjahr 2015/16 ein stabiles Wachstum in der Größenordnung von knapp 3 Prozent auf, das damit nur leicht unterhalb des Wachstums des Geschäftsjahres 2014/15 lag. Die asiatischen Schwellenländer erzielten 2015/16 wiederholt die höchsten Wachstumsraten trotz der schwächeren Entwicklung in China.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts wichtiger Weltregionen und Deutschlands
Veränderungen zum Vorjahr in Prozent

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20151

20162

Quelle: Feri

1

Vorjahreswerte können gegenüber dem Geschäftsbericht 2014/15 abweichen, da bei dessen Fertigstellung finale Zahlen noch nicht vorlagen

2

Prognose

Welt

2,5

2,1

Deutschland

1,7

1,8

Westeuropa (ohne Deutschland)

1,6

1,5

Osteuropa

0,1

1,2

Asien

3,7

3,7

Konsumgüterhandel mit solider Entwicklung auf moderatem Niveau

Aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung in den Regionen, in denen die METRO GROUP tätig ist, entwickelte sich auch der Handel gemischt. In Westeuropa spiegelte sich die weitere wirtschaftliche Erholung auch in robusten Handelsumsätzen wider. Mit nominal etwas über 1,5 Prozent lag das Wachstum im Geschäftsjahr 2015/16 leicht oberhalb des Vorjahreswerts. In Ost- und Mitteleuropa fielen die Handelszahlen entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung unterschiedlich aus. Während die mitteleuropäischen Länder ein robustes Wachstum aufwiesen, gingen die Handelsumsätze in Russland und der Ukraine preisbereinigt stark zurück. Die Schwellenländer Asiens zeigten trotz leichter Abschwächung wiederholt die höchsten Wachstumsraten.

Deutschland

Deutschland entwickelte sich im Berichtsjahr erneut stabil. Die weiter rückläufige Arbeitslosigkeit und insbesondere die Zunahme der verfügbaren Einkommen stärkten dabei privaten Konsum und Einzelhandel, die das Wirtschaftswachstum stützen konnten. Preisbedingt wuchs der Handel mit Lebensmitteln leicht stärker als der Handel mit Nichtlebensmitteln. Gleichzeitig legte der Onlinehandel weiter zu und konnte seinen Marktanteil erneut steigern.

Westeuropa

In Westeuropa wirkten der niedrige Ölpreis sowie die niedrigen Zinsen weiterhin konjunkturfördernd. Dagegen trübten die Unsicherheit bezüglich des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union und die verübten Anschläge die Lage in den Ländern Westeuropas. Auch das Thema Staatsverschuldung blieb weiterhin auf der Agenda. Insgesamt konnten die Länder der Eurozone 2016 aber mit rund 1,5 Prozent weiter auf dem moderaten Wachstumspfad bleiben. Dank der wirtschaftlichen Belebung ging die Arbeitslosigkeit langsam, aber kontinuierlich zurück. Dadurch erholte sich auch das Handelsgeschäft, das nominal leicht oberhalb von 1,5 Prozent zulegen konnte. Aufgrund der niedrigen Inflation lag das Wachstum preisbereinigt auf demselben Niveau. Überdurchschnittlich fielen dabei Wirtschafts- und Handelsentwicklung in Schweden und Spanien mit Wachstumsraten oberhalb von 3 Prozent aus. In Portugal zeigte sich ein gemischtes Bild mit unterdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung, aber insgesamt robuster Handelsentwicklung. Unterdurchschnittlich fielen dagegen beide Entwicklungen in Italien, Belgien und den Niederlanden aus.

Osteuropa

In Osteuropa wurde die Entwicklung erneut durch die schwache Wirtschaft Russlands und den andauernden Russland/Ukraine-Konflikt geprägt. In beiden Ländern war die Wirtschaftsentwicklung ein weiteres Jahr rückläufig. Insgesamt ging die Wirtschaftsleistung aber zum Ende des Geschäftsjahres nicht mehr weiter zurück. Über das gesamte Geschäftsjahr wirkte sich die schwache Wirtschaftsentwicklung auch auf das Handelsgeschäft aus. Während die Handelsumsätze nominal aufgrund der überdurchschnittlichen Preissteigerungen noch leicht anstiegen, waren sie preisbereinigt stark rückläufig. In den Ländern Zentraleuropas zeigte sich dagegen insgesamt eine robuste wirtschaftliche Entwicklung. Davon konnte auch das Handelsgeschäft profitieren, das sich in Polen, Tschechien und Ungarn, aber auch in Bulgarien und Rumänien mit einem nominalen Wachstum oberhalb von 3 Prozent positiv entwickelte. Etwas schwächer fiel das Handelswachstum trotz insgesamt positiver Wirtschaftsentwicklung in der Slowakei aus. Ein weiteres Jahr rückläufige Handelszahlen hatte dagegen Griechenland zu verkraften. In der Türkei verschlechterte sich zwar die innenpolitische Lage nach Anschlägen und Putschversuch, die Auswirkungen auf Wirtschaft und Handel insgesamt waren jedoch bisher überschaubar. Anders sieht das in einzelnen Sektoren wie dem Tourismus und der Gastronomie aus, wo die Folgen der erhöhten Unsicherheit bereits spürbar waren.

Asien

Die Schwellenländer in Asien wiesen im Geschäftsjahr 2015/16 erneut das höchste Wirtschaftswachstum auf. Allerdings hat sich das Wachstum der chinesischen Wirtschaft insgesamt abgeschwächt. Indien setzte dagegen den positiven Trend fort und konnte das zweite Jahr hintereinander Wachstumsraten oberhalb von 7 Prozent vorweisen. In beiden Ländern legte der Handel im Berichtszeitraum nominal knapp zweistellig zu. In Indien ist diese Entwicklung allerdings zur Hälfte auf den Preisanstieg zurückzuführen, wenngleich sich die Inflation zum Ende des Geschäftsjahres deutlich abschwächte. Japans Wirtschaft konnte, trotz Stützung durch eine expansive Geld- und Fiskalpolitik, ein weiteres Jahr kaum wachsen. Daher ging auch das Handelsgeschäft insgesamt leicht zurück.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts der METRO GROUP Länder
Veränderungen zum Vorjahr in Prozent

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20151

20162

Quelle: Feri

1

Vorjahreswerte können gegenüber dem Geschäftsbericht 2014/15 abweichen, da bei dessen Fertigstellung finale Zahlen noch nicht vorlagen

2

Prognose

Indien

7,2

7,3

China

6,9

6,5

Pakistan

4,2

4,8

Rumänien

3,8

4,1

Luxemburg

4,9

3,5

Slowakei

3,6

3,4

Spanien

3,2

3,1

Schweden

4,2

3,0

Polen

3,7

2,9

Bulgarien

3,0

2,7

Türkei

4,0

2,7

Serbien

0,7

2,4

Tschechien

4,6

2,3

Kroatien

1,6

2,1

Deutschland

1,7

1,8

Ungarn

2,9

1,6

Schweiz

0,8

1,5

Niederlande

2,0

1,3

Belgien

1,4

1,3

Österreich

1,0

1,3

Frankreich

1,2

1,2

Portugal

1,5

1,0

Italien

0,6

0,8

Japan

0,6

0,6

Moldawien

−0,5

0,5

Kasachstan

1,2

0,1

Ukraine

−9,9

−0,1

Griechenland

−0,2

−0,8

Russland

−3,7

−0,9